Bettina Blass (links) und Corinna Blümel vom DJV Köln im 70er Jahre-Bereich der Ausstellung RadioZEIT

Die Kölner Journalisten-Vereinigung in der Radio Zeit im MAKK

Die Augen vieler Kollegen strahlen, als sie die alten Radio-Schätzchen im Museum für angewandte Kunst Köln sehen: Geräte mit transparenter Hülle, die leuchten wie Schmuckstücke, Stereoanlagen, wie man sie selbst noch im Wohnzimmer stehen hatte, HiFi-Möbel aus Holz, die ganze Wohnzimmerwände einnahmen. „So etwas habe ich einmal bei Bekannten gesehen“, erinnert sich einer der 13 Besucher, die die Mittagspause nutzten, um sich bei einer speziell ausgerichteten Führung über die Geschichte des Radios zu informieren. Sie sind Mitglieder der Kölner Journalisten-Vereinigung, des Ortsvereins im Deutschen Journalisten-Verband. Für viele Journalisten in Köln ist die Geschichte des Radios natürlich auch eng mit dem eigenen Beruf verbunden: Der WDR ist die größte Rundfunkanstalt in Deutschland.

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Petrus hatte ein Einsehen! Dritter Drive it-Day des MAKK

detlev krehl

Moderator Detlef Krehl präsentierte dem Publikum automobile Kostbarkeiten auf der Rampe vor dem MAKK.

Der Wetterbericht gab Anlass zum Schaudern: „Die Vorhersagen hatten Temperaturen um acht Grad und Regen angekündigt. Aber der Wettergott war dem dritten Drive it-Day des MAKK am 24. April 2016 gnädig gesinnt“, freut sich Stefan Palm, Mit-Organisator des zweijährig stattfindenden Drive it-Day des MAKK. Er beschränkte sich auf nur einen Schauer und auch die Sonne ließ sich mehrmals blicken. So gaben sich mehr als 1.000 Oldtimer vor dem Museum ein Stelldichein, schon bald waren alle Stellplätze belegt.

„Der wie immer fachkundige Moderator Detlef Krehl konnte auch diesmal dem Publikum zahlreiche automobile Kostbarkeiten auf der eigens aufgestellten Rampe präsentieren, darunter ein nur 2000-mal gebauter Sportwagen namens Sonett von Saab. Der Senior unter den Oldtimern war vermutlich ein Ford Modell A aus dem Jahr 1931. Leicht skurrile Gefährte wie der Citroen Ami 6 Break oder der winzige Messerschmidt Kabinenroller, der aussieht wie ein Flugzeug ohne Flügel, sorgten für ein Schmunzeln bei den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern.

Für die diesjährige Themen-Ausstellung unter dem Motto `Es lebe der Sport´ stellten die Ford-Werke einen Capri Turbo Zakspeed der Gruppe 5 von 1981 zur Verfügung. Werksfahrer Klaus Ludwig fuhr mit dem 650 PS starken Boliden 1981 die Konkurrenz in Grund und Boden. Zu den absoluten Raritäten zählt auch der Porsche 916/6 GT-Werkswagen, den Sitzhersteller Recaro mitgebracht hatte. Mit ihm belegte der legendäre Björn Waldegard 1971 den dritten Platz bei der Rallye Monte Carlo.

Auch die beiden Autos, die eine Mitfahrgelegenheit rund um das Museumskarree boten, sieht man nicht an jeder Ecke. Neben einem Maserati Kyalami drehte ein Fiat 600 Multipla seine Runden. Der Oldtimer darf für sich in Anspruch nehmen, das Fahrzeugkonzept der Vans schon Ende der 1950er Jahre vorweggenommen zu haben. Nicht viele dieser eiförmigen Gefährte haben die Jahrzehnte überlebt; in der Ausführung des legendären Tuners Carlo Abarth dürfte es der einzige auf der Welt sein“, weiß Stefan Palm.

Vera Lossau – Eine kurze Geschichte der Löcher

Die Künstlerin Vera Lossau vor einem Detail ihrer Installation im MAKK.

Die Künstlerin Vera Lossau beim Aufbau ihrer Installation im MAKK.

„Das Ornament beschäftigt mich seit langer Zeit und hat einige meiner frühen Arbeiten beeinflusst“, so die Düsseldorfer Künstlerin Vera Lossau (* 1976). Die erste Preisträgerin des LVR Frauenkulturpreises für bildende Kunst (2014) geht in ihrer zweiteilige Ausstellung `Eine kurze Geschichte der Löcher´ der Frage nach, was ein Loch, ein Ornament und eine Schlaufe gemeinsam haben. Ihre Antwort liefert sie mit ihren Arbeiten sowohl im MAKK als auch im LVR Industriemuseum Zinkfabrik Altenberg in Oberhausen. Für ihre Arbeiten zog sie unteranderem Texte von Tucholsky und Lacan hinzu.  „Aber eigentlich gehe ich stärker vom Visuellen aus. Ich denke, das Thema der Löcher ist sehr weit und poetisch“, erklärt Vera Lossau. In ihrer Auseinandersetzung mit dem Thema umkreist sie zwei verschiedene Ausprägungen der Löcher: „Es gibt eine gewaltsame, an Krieg und Verletzung erinnernde Assoziation.“  Diese wird zum Beispiel durch den Abguss einer Beschussplatte behandelt – ein Original im Industriemuseum. „Zugleich gibt es natürlich auch das Verspielte, Schönheit zelebrierende `Loch´, das ich in den Formen und Ornamenten in der Sammlung des MAKK vorfand.“

In Vorbereitung ihrer Arbeiten für das MAKK, besuchte sie mehrfach die Dauerausstellung und machte zahlreiche Fotos. „Ich bin fasziniert von der Vielfalt der Ornamentik und der edlen Materialien der Sammlungsobjekte.“ Aus ihrer intensiven Recherche im Museum entstand eine konzeptuelle Arbeit, in der sie diese Vielfalt zu einem Motiv kondensiert: die Möbiusschleife. Dies ist eine mathematische Fläche, ohne Oben und Unten, ohne Innen und Außen. Fährt man mit einem Finger an ihrer Kante entlang, so wird man sie einmal vollständig erfassen, also überall berühren, ohne den Finger auch nur einmal abzusetzen. „Für mich stellt die Möbiusschleife den kleinsten gemeinsamen Nenner aller Ornamente dar“, erläutert die Künstlerin. Schon Max Bill war von dieser Form fasziniert und setzte sie in den 1930er Jahren skulptural um. Vera Lossau fügt der Möbiusschleife eine weitere Dimension hinzu. „Meine modellierten und aus Polyurethan gegossenen Formen überziehe ich mit mehreren `Kipplacken´, die je nach Lichteinfall farblich changieren.“ Dadurch betont sie den Verlauf dieser unendlichen Form und bezieht den Betrachter in ihr Werk ein. Denn je nach Standpunkt verändert sich der Farbverlauf der Plastik, was ihr zugleich einen Ausdruck von Belebtheit verleiht. Assoziationen mit schimmernden Käferpanzern, wie sie in Schmuckstücken des 19. Jahrhunderts eingesetzt wurden, und mit den farbigen Lüstern von  Jugendstilglas werden geweckt. Vera Lossau strebt in ihrer Arbeit nach Ordnung und Klarheit, die sie in ihrer ortsspezifischen Installation im MAKK durch ihre Reduktion auf das vielschichtige Motiv der Möbiusschleife erreicht.

Die zweiteilige Ausstellung `Vera Lossau – Eine kurze Geschichte der Löcher´ ist vom 16. April bis 31. Juli 2016 im MAKK und zugleich vom 23. April bis 3. Juli 2016 im LVR-Industriemuseum Zinkfabrik Altenberg in Oberhausen zu sehen.

Lieblingsstück: Radios von Walter Dorwin Teague

Julie Edelmann-Vieiht Walter-Dorwin-Teague

Julie Edelmann-Veith vor Radios von Walter Dorwin Teague (1883-1960).

„Die Entwicklung des Radio-Designs ist in der MAKK-Ausstellung ‚RADIO Zeit’ faszinierend dargestellt‟, begeistert sich Julie Edelmann-Veith, und verrät, dass das MAKK zu ihren Lieblingsmuseen in Köln gehört. „Für Radios gab es keine Design-Vorbilder, und in Deutschland sahen die Radiogehäuse lange Zeit wie bessere Holzkisten aus. Dagegen entwickelte sich in den USA schnell eine ganz eigene Formensprache, die sich eng an der Architektur und am industriellen Fortschritt orientierte. Es ist faszinierend zu sehen, wie bis zum Zweiten Weltkrieg die Amerikaner Maßstäbe setzten – sowohl im Design als auch bei den eingesetzten Materialien. Sensationell finde ich die Art Déco-Radios von Walter Dorwin Teague. Die blau verspiegelten Flächen, verziert mit Chrom, demonstrierten die Bedeutung neuer Materialien. Ab den 50er Jahren haben deutsche Designer nachgezogen, vor allem Hans Gugelot (1920-1965) und Dieter Rams (1932 geboren), die mit ihrem stark reduzierten, klaren Design für die Firma Braun Weltmaßstäbe setzten. Der Einfluss von Rams wirkt bis heute nach. Es ist bekannt, dass Steve Jobs seine Formensprache schätzte und Apple-Designer Jonathan Ive von Rams’ Arbeit beeinflusst wurde. Deutlich sichtbar übrigens am iPhone. Einen Dank von Apple hat Rams aber nie erhalten.“

Wer war Walter Dorwin Teague?
Walter Dorwin Teague (1883-1960) studierte bis 1907 an der Art Students League in New York und arbeitete anschließend als Werbegrafiker. 1926 gründete er eine der ersten Agenturen für Industriedesign. Zu seinen ersten Kunden gehörte die Eastman Kodak Company. Aus dieser Zusammenarbeit stammen Stil prägende Entwürfe wie die Gift Camera oder die Bantam Spezial, die beide in der Designabteilung des MAKK zu bewundern sind. Aber zur Legende wurde Teague durch die Zusammenarbeit mit dem Radio Hersteller Sparks-Withington (Spanton). Seine verspiegelten Radio Gehäuse in Sampson blau oder Apricot stellen bis heute den absoluten Höhepunkt der amerikanischen Art Deco-Radios dar. Seine harmonisch wirkenden Formen beruhen sehr häufig auf den Gesetzmäßigkeiten des goldenen Schnitt, eine klassische Proportionslehre.

Mehr Infos zur Ausstellung `RADIO Zeit´ auf der MAKK-Web…

RADIO Zeit: Ein Glücksgriff in Baby-Kroko

Axel Rodert in der `RADIO Zeit´ mit seinem RCA Victor `BP-10´ von 1940.

Axel Rodert in der `RADIO Zeit´ mit seinem RCA Victor `BP-10´ von 1940.

Mit glänzenden Augen und viel Humor berichtet Axel Rodert, Vorstandsmitglied der Overstolzengesellschaft, wie ein Kleinod des Radiodesigns in seinen Besitz kam: „Wir waren auf Saint Simon Island, vor der Küste von Georgia und was tut man da? Genau, man besucht einen Antiquitätenhändler!“ Nicht er sei auf das interessante Ausstellungsstück aufmerksam geworden, sondern seine Frau, die glaubte eine wunderschöne Abendtasche in Baby-Kroko entdeckt zu haben. Im Geschäft stellte sich diese jedoch als ein kleines Radio des amerikanischen Herstellers RCA Victor heraus. „Das Design dieses Kofferradios, oder besser dieses Köfferchens, gefiel mir so gut, dass ich mich entschied es mitzunehmen“, so Rodert.  Tatsächlich ist das Modell „BP-10“ von 1940 das erste tragbare Radio im Taschenformat, ermöglicht durch speziell von RCA Victor entwickelte Miniatur-Röhren. Das kleine Reisegerät wurde zu einem großen Erfolg und verkaufte sich innerhalb von zwei Jahren 200.000 Mal. Axel Rodert nahm es mit nach Deutschland, getreu dem damaligen Werbetext „You can carry it easily wherever you go – across the street or across the continent!” Hier gelang es einem befreundeten Bastler dem `Köfferchen´ mit handelsüblichen Batterien wieder Leben einzuhauchen, so dass es auch heute noch empfangsbereit ist. Dabei offenbarte es eine weitere technische Sensation: „Öffnet man den Frontdeckel, schaltet sich das Gerät automatisch ein, schließt man ihn, so schaltet es sich wieder ab“, erklärt Rodert. Dieser sogenannte „Sandwich-Deckel“, das kleine Format und das hochwertige Design im Art Déco-Stil lassen das Gerät wie ein Spielzeug für James Bond erscheinen.

In die Ausstellung `RADIO Zeit´ gelangte das `BP-10´ in letzter Minute. Axel Rodert bot es zwischen Weihnachten und Neujahr der Kuratorin Dr. Romana Breuer als Leihgabe an. „Für ein solches Highlight habe ich schnell einen passenden Platz gefunden“, erläutert Frau Dr. Breuer begeistert. Zu sehen ist der Radiokoffer nun zusammen mit anderen amerikanischen und deutschen Geräten des Art Déco im ersten Ausstellungsteil.

Axel Rodert und seine Frau müssen jedoch nicht auf den Radiogenuss verzichten. „Im Frankreich-Urlaub hören wir immer den Sender TSF Jazz, den bekommen wir seit neuestem dank Internetradio auch zu Hause rein.“ Ganz zeitgemäß.

Ray und Charles Eames: Rocker Arm Chair

Das Leben und Wirken von Ray und Charles Eames fasziniert Sabine

Der Rocker Arm Chair in Pink (1948) von Ray und Charles Eames ist ein Lieblingsstück von Sabine Meinecke.

Ray und Charles Eames, Designerpaar aus Amerika, haben Ikonen der Designgeschichte geschaffen. Auf der ganzen Welt begegnen uns heute Eames-Möbel und Objekte in Büros, Wohnungen, Restaurant, Flughäfen und in Museen. Sabine Meinecke ist Eames-Fan und bietet ehrenamtliches Mitglied des Arbeitskreis des MAKK Führungen zum großen Werk des Ehepaars Ray und Charles Eames an. „In den fast 40 Jahren gemeinsamer Arbeit brachten beide ihre Begabungen ein – und zwar mit unterschiedlichsten Themen. Ray Eames (1912-1988) hatte den ästhetischen Blick als Künstlerin. Ihr Raum- und Farbgefühl war ebenso bedeutend wie der von Charles Eames (1907-1978) als Architekt. Als Dekorateurin bin ich auch von ihrer werbetechnischen Seite fasziniert. Sie waren Meister der Kommunikation und Demonstration. Über 100 Filme entstanden, Ausstellungen zu unterschiedlichsten Design-Themen, Schaufensterentwürfe, Verkaufsräume, Werbefotos, Spielzeuge und natürlich Möbel.

Angepasst an das neue Lebensgefühl Amerikas sollten Möbel leicht, transportabel, farbig und kostengünstig sein. Die Möbel sollten für die breite Masse erschwinglich sein. Dies wurde durch industrielle Fertigung und Nutzung von günstigen Materialien erreicht. Ein weiteres Ziel: die Möbel sollten ebenso schön wie intelligent den hohen Anforderungen entsprechen: lässig, funktional und bequem durch den Einfluss ergonomischer Gesichtspunkte. Nach dem Erfolg der Stühle und Möbel aus Schichtholz entwickelten sie das erste Sitzmöbel aus Fiberglas, eine Verbindung aus flüssigem Kunststoff und Glasfasern. Der erste einteilige Schalensitz war geboren.

Mein besonderes Lieblingsstück ist der `Rocker Arm Chair´ von 1948. Wie bei den Schichtholzstühlen wurden Schale und Gestell durch Gummipuffer, sogenannte Shok Mounts, flexible verbunden. Dabei konnten Kunden ein individuelles Modell zusammenstellen: verschiedene Farben und sechs verschiedene Untergestelle standen zur Auswahl. Auch Gestelle mit vier Füssen aus Holz oder Rundstahl waren bestellbar sowie aus Aluminiumguss mit Laufrollen für Barhocker oder Kinderstühle. Im MAKK zu sehen ist der Rocker Arm Chair mit Kufen als Schaukelstuhl.‟ Mehr Infos über Charles und Ray Eames erhalten Sie hier…

Eames-Kollage

Eames-Kollage, gestaltet von Sabine Meinecke.

Im Gespräch mit Kuratorin Patricia Brattig

Brattig

Patricia Brattig führt durch die Ausstellung `LOOK! Modedesigner von A bis Z´, MAKK 2015

Dr. Patricia Brattig ist Kuratorin für Mode, Textil, Keramik und Glas des Museums für Angewandte Kunst Köln. Seit 2002 kuratiert sie regelmäßig Modeausstellungen im MAKK, zuletzt `LOOK! Modedesigner von A bis Z. Die Sammlung des MAKK´. Die vielbesuchte Ausstellung schließt am Sonntag, den 28. Februar, endgültig ihre Pforten. Der zweisprachige Katalog ist weiterhin erhältlich (ISBN 978-3-86502-365-0).

Die Ausstellung LOOK! Modedesigner von A bis Z präsentiert Neuerwerbungen der Modesammlung des MAKK. Wie entstand das Konzept des Designer-ABC?
Wir wollten nach unserer letzten Modeausstellung, `Istanbul Fashion – Aktuelle Mode aus der Türkei´ (2010 – 2011) generell wieder Mode im MAKK präsentieren und dabei den Fokus auf unsere eigene Modesammlung richten. Da die empfindlichen textilen Objekte aus konservatorischen Gründen nur kurzfristig ausgestellt werden können, war es uns ein Anliegen, unsere Modesammlung für eine kurze Zeit wieder zu aktivieren und somit in Erinnerung zu rufen. Dabei lag es nahe, den Schwerpunkt auf Objekte zu legen, die bislang noch nicht ausgestellt oder publiziert worden waren, darunter zahlreiche Neuerwerbungen auch aus der jüngsten Vergangenheit. Das Designer-Alphabet bot uns hierfür den größten Spielraum an und die Freiheit, möglichst viele unterschiedliche Entwürfe zu präsentieren. Wir führen den Besuchern eine bunte Bilderfolge vor, die – ausgehend von den späten 1960er Jahren bis heute – diverse modische Positionen und Kleidertypen wie beispielsweise das Abendkleid, das Kostüm, das T-Shirt oder den Wintermantel beinhaltet. Dabei streben wir selbstverständlich keine enzyklopädische Darstellung der modischen Entwicklung der vergangenen Jahre an; dies würde den Rahmen angesichts der Stilpluralität im Modedesign deutlich sprengen.

Wie lange haben Sie und Ihr Team an der Vorbereitung und Realisierung der Ausstellung gearbeitet?
Von der ersten Konzeption der Ausstellung bis zur Fertigstellung hat das Team gute zwei Jahre an dem Projekt gearbeitet.

Eigens für die Ausstellung wurden Vitrinen angefertigt. Denkt man jedoch an die letzte Modeausstellung Istanbul Fashion des MAKK, zurück oder auch an die Lagerfeld-Schau in der Bonner Bundeskunsthalle, so wurden hier die Exponate frei im Raum präsentiert. Worin liegt der Unterschied?
Nur zu gern hätten wir die Exponate der Istanbul Fashion-Ausstellung auch in Vitrinen präsentiert, um diese insbesondere vor Verschmutzung und vor dem Zugriff der Besucher zu schützen. Doch waren die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel leider begrenzt. Die beteiligten Designer wurden darüber informiert, dass die Kleider frei ausgestellt werden und nach der mehrwöchigen Ausstellung zwangsläufig gereinigt werden müssen. Für die meisten war dies kein Problem. Auf den Modenschauen wird den Kleidern oft noch viel mehr abverlangt, das gehört sozusagen zum Geschäft. Bei historischen Exponaten jedoch, die nicht mehr seriell hergestellt werden und bisweilen sozusagen nur noch als Unikate existieren, ist eine nachhaltige, das heißt objektgerechte Präsentation vonnöten, um die Objekte für die Zukunft in einem guten Zustand zu bewahren. Deshalb haben wir uns entschieden, neue Vitrinen zu entwerfen und bauen zu lassen, die wir immer wieder für kommende Modeausstellungen einsetzen können. Die Vitrinen lassen sich nämlich platzsparend auseinander montieren und lagern. Sie gewährleisten, dass die Objekte vor Staub und Berührungen geschützt die Laufzeit einer Ausstellung gut überstehen.

Ein Exponat fällt aus dem Rahmen: das T-Shirt der Kollektion `Karl Lagerfeld für H&M´. Man könnte sich fragen, ob ein H&M-Shirt in ein Museum gehört.
Das T-Shirt von Karl Lagerfeld für H&M gehört durchaus in eine museale Modesammlung wie diejenige des MAKK. Mit diesem auf dem ersten Blick einfach wirkenden T-Shirt hat Lagerfeld tatsächlich wieder einmal Modegeschichte geschrieben. Warum es so wichtig für uns ist, kann man in unserem aufwendig bebilderten Katalog umfänglich nachlesen.

Wie groß ist die Modesammlung des MAKK? Gibt es einen riesigen Kleiderschrank oder wie werden die Objekte verwahrt?
Die Modesammlung des MAKK umfasst mittlerweile über 1.500 Inventarnummern, hinter denen sich diverse Objekte wie Kleider, Anzüge, Mäntel und Accessoires wie Hüte, Handschuhe, Schuhe und Modeschmuck verbergen. Im dritten Obergeschoß des Museums ist das große Textildepot inklusive den Werkstätten untergebracht, wo die Objekte fachgerecht gelagert werden. Es gibt tatsächlich einen riesigen Kleiderschrank, einen großen fensterlosen Raum, in dem mehrere lange Kleiderstangen bis unter die Decke mittels Motor hochgefahren werden können, so dass darunter noch weitere fahrbare Kleiderstangen Platz finden. Besonders empfindliche Objekte, zum Beispiel schwere Tanzkleider der 1920er Jahre, die mit Glassteinen und Pailletten bestickt sind, können nicht hängend aufbewahrt werden und müssen in säurefreien Kartonagen liegend in einem Regal verpackt werden.

Sie sind seit September 1998 im MAKK tätig. Welches war Ihre erste Modeausstellung im Haus?
Meine erste Modeausstellung am Museum für Angewandte Kunst war `Mode der 1950er Jahre – Schenkung Else und Ingeborg Heiliger´, die 2002 gezeigt wurde.

Gibt es bereits Ideen oder Wünsche für die nächste Modeausstellung im MAKK?
Es gibt bereits etliche weitere Ideen für Modeausstellungen im Museum für Angewandte Kunst Köln, aber die werden noch nicht verraten! Schließlich muss es ja noch Überraschungen geben. Wünsche haben wir ebenfalls noch viele, zahlreiche Desiderate – insbesondere hinsichtlich spektakulärer Modeentwürfe namhafter Designer – die hoffentlich über kurz oder lang erfüllt werden.

Eine Übersicht über die von Patricia Brattig kuratierten Modeausstellungen im MAKK:

  • „Mode der 1950er Jahre – Schenkung Else und Ingeborg Heiliger“, 1. Februar bis 16. Juni 2002
  • „in. femme fashion 1780 – 2004. Die Modellierung des Weiblichen in der Mode“, 19. Oktober bis 14. Dezember 2003
  • „Mode & Design aus Island“, 19. November 2005 bis 29. Januar 2006
  • „16 x Yves Saint Laurent. Neuerwerbungen der Modesammlung“, 9. Februar bis 30. März 2008
  •  „Istanbul Fashion – Aktuelle Mode aus der Türkei“, 6. November 2010 bis 30. Januar 2011
  • „LOOK! Modedesigner von A bis Z. Die Sammlung des MAKK“, 19. September 2015 bis 28. Februar 2016

alle Fotos © Rheinisches Bildarchiv Köln / Marion Mennicken

RADIO Zeit: Vom Holzgehäuse zum Design

Der Musikschrank `Radiogram 7028´ (1957) von Grundig hat ein Holzgehäuse – davon stammt der Name `Braune Ware´ weiß Karsten Kretschmer.

Der Musikschrank `Radiogram 7028´ (1957) von Grundig hat ein Holzgehäuse – davon stammt der Name `Braune Ware´ weiß Karsten Kretschmer. Rechts zu sehen: `Consul´ aus der DDR.

Sonntags im Museum bewunderte Karsten Kretschmer aus Köln die Radiogeräte und Phonomöbel in der Ausstellung RADIO Zeit. „Die sehr unterschiedliche Entwicklung des Designs beeindruckt mich. Die Designer waren in der Anfangszeit ratlos, wie so ein Gegenstand aussehen soll. Wie ein technischer Apparat? So sahen die ersten Geräte in den 30er Jahre auch aus. In den USA gab es eine viel innovativere Entwicklung, die sich am Lifestyle orientierte und mutig Farben, moderne Materialien und Formen zeigte. Ganz anders war es leider in Deutschland. Die Verbreitung des Radios war eng mit der Nazi-Zeit verbunden. Da gab es häufig nur ein erlaubtes Gehäuse aus Holz, das braune Design. Und so sahen die Radios und später auch Schallplattenspieler und Fernseher lange aus. Noch heute wird die Unterhaltungselektronik als `Braune Ware´ bezeichnet. Der Grund dafür liegt im Design der Radiogeräte, das sich an klassische Holz-Möbel orientierte. Im Vergleich dazu werden Haushaltsgeräte wie Wasch- und Spülmaschinen, die für Sauberkeit im Haushalt stehen, als `Weiße Ware´ bezeichnet.

Ich habe die aufwändigen Phonomöbel bis in die 80er in meinem Alltag gesehen. Erstaunlich für mich war in der Ausstellung zu sehen, dass mit dem Modell `Consul 697/57 WUS´ (1956-57) vom VEB Stern-Radio die braune Zeit auch in der DDR bis in die 70er Jahre überlebte. Erfreulich ist, dass mutige deutsche Unternehmer, Beispiel Braun mit den Designern Hans Gugelot und Dieter Rams, ein neues Design kreierten, die heute als Designklassiker gelten.“

Mehr Infos zur Ausstellung `RADIO Zeit´ auf der MAKK-Web…

Auf ein Wort. Möbelmesse

Kommentar von Felix Stark: Dass wir Kölner über einen ausgeprägten Lokalpatriotismus verfügen, ist kein Geheimnis. Daher wird öffentliche Kritik aus den eigenen Reihen oft wie eine Altbierbestellung in einem Kölner Brauhaus behandelt – Verbesserungsvorschläge werden grundsätzlich mit Misstrauen bedacht. Andererseits, Zurückhaltung ist unangebracht (Steht he un sät nix!), besonders wenn es sich um eine so alteingesessene Institution wie die Möbelmesse handelt, die seit 1949 fester Bestandteil des Kölner Kalenders ist.

Auf der IMM: Innovativer Messestand aus Hohlsteinen (Foo: Felix Stark).

Auf der IMM: Innovativer Messestand aus Hohlsteinen (Foto: Felix Stark).

Viele Firmen sparen sich die echten Innovationen und spannenden Standkonzepte für den `Salone del Mobile´ in Mailand auf. Das ist mit Sicherheit nicht nur dem Umstand geschuldet, dass dort jedes Jahr aufs neue eine Vielzahl spanender Entwürfe von Jungdesignern, Startups und kleinen Manufakturen gezeigt werden. Nun ist der deutsche Januar natürlich auch nicht der ideale Monat, um durch die kreativen Hotspots einer Stadt zu schlendern und sich mit Jungdesignern über Neuentwicklungen zu unterhalten. Aber da haben wir bereits das nächste Problem: Welche Hotspots? Die ehemaligen Zentren außerhalb der Messe wie Rhenania oder Spichern-Höfe sind längst ausgebaut und gewinnbringend vermietet; verbleibende Areale wie die Clouth-Werke folgen und es ist von Seiten der Stadt auch kein Bestreben zu erkennen neue Bereiche für eine kreative Szene zu erschließen. Bleiben die `Passagen´, die inzwischen nicht nur ein unüberschaubar weites Feld abdecken möchten – von dekorativer Malerei und Konzeptkunst, Mode und Möbelentwürfen bis hin zu Produkten etablierter Hersteller – sondern auch weit über ganz Köln verteilt sind. Um wirklich interessante Stücke zu finden bedarf es einiger Recherche und die Bereitschaft viel zu laufen. Das ist nicht unbedingt optimal für Besucher, die den ganzen Tag auf der Messe verbracht haben.

Die Messe selbst wiederum ist bemüht mit Möbel-Installationen in den sogenannten Editions-Hallen und `Das Haus´ für Gesprächsstoff zu sorgen, sie kommt aber kaum über das Niveau von Dekoration heraus: Junges Design und Startups wirken wie Randerscheinungen. So gesehen passt alles zusammen: Das Design machte dieses Jahr kaum Experimente: In Zeiten der Verunsicherung scheint althergebrachtes die beste Wahl. Lieber in Nostalgie schwelgen als am Ende Irritationen zu verursachen. Früher war eben doch alles besser!? Ich glaube Köln bleibt weit hinter seinen Möglichkeiten zurück, um wirklich etwas zu ändern. Es reicht nicht das Bestehende neu zu stylen. Design heißt alles in Frage zu stellen und Neues auszuprobieren. Nur Mut.

RADIO Zeit. Röhrengeräte, Design-Ikonen, Internetradio

Romana-Breuer-Radiozeit

Dr. Romana Breuer ist Kuratorin der MAKK-Ausstellung RADIO Zeit.

Es ist soweit: Bis zum 5. Juni 2016 kann die große Radiodesign-Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst Köln bewundert werden. Dr. Romana Breuer, seit 2014 Kuratorin für Bildende Kunst, Design, Graphik und Plakat des MAKK, kuratierte mit „RADIO Zeit“ ihre erste eigene Ausstellung. Was der Anlass für die Ausstellung war, welche Highlights zu sehen sind und wie sie präsentiert werden, erzählt Romana Breuer:

„Das Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) besitzt mit insgesamt über 230 Radios und Kombinationsanlagen eine der umfangreichsten Sammlungen dieser Art in Deutschland. Seit den 1970er Jahren wurden gezielt bedeutende Entwürfe des Produktdesigns in diesem Themenschwerpunkt gesammelt und konnten durch Stiftungen ergänzt. Dabei lag das Hauptaugenmerk stets auf der Qualität des Entwurfs. Durch die mit rund 190 Geräten überaus großzügige Stiftung von Prof. Dr. Richard G. Winkler konnte der Bestand erweitert und um einen in Europa einzigartigen Schwerpunkt US-amerikanischer Radiogeräte der 1920er bis 1950er Jahre ergänzt werden. Die Apparate zählen zu den Höhepunkten des ‚Goldenen Zeitalters‘ des Radiodesigns.

Diese großartige Sammlung bietet den Anlass, das Thema „Radio“ von seinen Anfängen bis heute zu verfolgen und eine Gesamtschau der Entwicklung des Radiodesigns zu präsentieren. 2016 ist es 120 Jahre her, dass die ersten Worte an eine Empfangsstation gesendet werden konnten. Zu diesem Zeitpunkt war das Aussehen des Gehäuses noch vollkommen offen. Die Ausstellung setzt daher in den 1920er Jahren an, als sich die ersten Formen herauskristallisierten. Sie zeichnet die Geschichte des Radiodesigns bis heute in 20 Kapiteln nach und verfolgt dabei die spannende Fragestellung, ob und in welchem Maße es zu einer Kanonisierung des Radiogehäuses gekommen ist.

Gewidmet haben sich dieser Frage international renommierte Designer wie Norman Bel Geddes, Mario Bellini, Marc Berthier, Achille & Pier Giacomo Castiglioni, Wells Coates, Ray & Charles Eames, Fritz Eichler, Hartmut Esslinger, Michael Graves, Hans Gugelot, Herbert Hirche, Jacob Jensen, Clarence Karstadt, Walter Maria Kersting, David Lewis, Raymond Loewy, Dietrich Lubs, Verner Panton, Dieter Rams, Richard Sapper, Philippe Starck, Walter Dorwin Teague und Marco Zanuso. Der Überblick setzt mit Rauminszenierungen und Hörstationen Akzente und gibt überdies Einblicke in das Schaffen einzelner Designer. Es werden rund 200 Exponate aus eigenen Beständen präsentiert (Radios, Anlagen, Mobiliar und Bildende Kunst), ergänzt durch 50 Leihgaben sowie 15 historische Fotografien aus dem Archiv des Westdeutschen Rundfunks.“

Die Ausstellung „RADIO Zeit“ Röhrengeräte, Design-Ikonen, Internetradio ist bis 5. Juni 2016 im Makk zu sehen. Mehr Infos und Termine auf der MAKK-Web…

Lieblingsstück: Pastorale von Theo van Doesburg

Das Bleiglasfenster `Die große Pastorale´ von Theo van Doesburg gehört zu den Lieblingsstücken von Andrea Kokoscha.

Das Buntglasfenster `Die große Pastorale´ von Theo van Doesburg gehört zu den Lieblingsstücken von Andrea Kokoscha.

„Es freut mich, dass die Werke von Theo van Doesburg in der Designabteilung als wichtige Beiträge innerhalb des Konzepts `Kunst und Design im Dialog´ gezeigt werden“, erklärt Andrea Kokoscha, die sich als angehende Kunsthistorikerin intensiv mit den niederländischen Vertretern des sogenannten Konstruktivismus beschäftigte. Eines ihrer Lieblingsstücke der angewandten Kunst ist das Buntglasfenster `Die große Pastorale´ von Theo van Doesburg.

Die große Pastorale von Theo van Doesburg 1921/22 wurde als zweiteiliges Bleiglasfenster für die Landwirtschaftsschule in Drachten nach seinen Entwürfen hergestellt. Die zweite Ausfertigung von 1973 wird im MAKK in einem Leuchtkasten präsentiert (Stiftung Prof. Dr. R. G. Winkler, M420w). In je vier übereinandergesetzten, quadratischen Feldern werden anhand von figürlichen Einzeldarstellungen vier typische bäuerliche Tätigkeiten thematisiert und in ihrer zyklischen Abfolge gegenläufig auf den beiden Teilen angeordnet. Van Doesburg abstrahierte eine Ausgangsfigur, für die Vincent van Goghs berühmtes Ölgemälde `Der Sämann´ von 1889/90 als Vorlage diente. In zeichnerischen Studien schematisierte und geometrisierte er die Figur schrittweise, indem er sie in Rechtecke zerlegte. So entstanden durch Diagonalen rechtwinklige Dreiecke und Trapeze. Aus den gleichen Einzelformen konstruiert, ließen sich `Graben´, `Pflügen´ und `Ernten´ darstellen. Die große Pastorale ist somit keine rein abstrakte Darstellung, denn auch in der Endfassung bleibt der arbeitende Mensch erkennbar.

Als Mitbegründer der Künstlervereinigung De Stijl verwandte Theo van Doesburg ein weiteres abstrahierendes Stilmittel: die Reduktion der Farben. Die Primärfarben Rot, Blau und Gelb dominieren hier in den Figuren vor Schwarz und Grau, während der Hintergrund in farblosem Klarglas ausgeführt ist. Die kräftigen Bleiruten in der Nicht-Farbe Schwarz bilden ein grafisch wirkendes Liniensystem, das die Flächen voneinander abgrenzt. In der stilistischen Umbildung der Vorlage van Goghs, der als einer der Gründerväter der modernen Kunst anerkannt wurde, zeigt sich eine Bezugnahme auf die Tradition. Die Thematik der jahreszyklisch abhängigen landwirtschaftlichen Tätigkeiten ist ein uraltes Motiv und birgt auch eine kosmologische Dimension. Das traditionell kunsthandwerklich hergestellte Fenster vereint die wichtigsten Intentionen von De Stijl. Ihre Ideen und Entdeckungen wurden zu einer Impulsquelle für moderne Formgebung, die das Aussehen der modernen Welt entscheidend mitgeprägt haben.

Künstlervereinigung und Kunstzeitschrift De Stijl (1917-1928)

Als Kunstkritiker erkannte Theo van Doesburg `Die neue Bewegung in der Malerei´ der zeitgenössischen Kunst um 1915. Als `Streben nach dem Allgemeinen und dem Universellen´ kam dies intuitiv in der abstrakten Malerei Kandinskys zum Ausdruck; bewusster konstruiert und damit fortgeschrittener, in den Werken der Kubisten. Anregungen für seine eigene künstlerische Entwicklung als Kunstmaler fand er in der Begegnung mit den in Holland tätigen Künstlern Vilmos Huszár, Piet Mondrian und Bart van der Leck. Zusammen mit ihnen gründete er die niederländische Kunstzeitschrift De Stijl (1917-1928) als Forum für die Verbreitung neuer Kunsttheorien und neuer Werke. In ihrem programmatischen Anspruch verfolgten die Künstlergruppe De Stijl ein Ziel: : die gesamtgesellschaftliche Entwicklung hin zu einem Zustand idealer Harmonie. Die Grundelemente der bildenden Kunst sah man in geometrischen Formen, aus denen Kompositionen konstruiert wurden. Der formale Rationalismus als universeller Anspruch sollte sich vorbildhaft in den Werken sämtlicher Kunstgattungen, auch in der angewandten Kunst und in der Architektur, realisieren.

Schreibtisch von Frank Lloyd Wright

Felix Stark steht vor dem Schreibtisch mit integriertem Stuhl aus Metall von Frank Lloyd Wright von 1904.

Felix Stark und der Schreibtisch mit integriertem Stuhl aus Metall von Frank Lloyd Wright (1904, Inv. Nr. A 1955w, © MAKK / VG Bild-Kunst, Bonn 2015, Foto: Kirsten Reinhardt).

Der Schreibtisch mit integriertem Stuhl aus Eisen wurde 1904 von dem amerikanischen Industriedesigner Frank Lloyd Wright (1867-1959) für das Verwaltungsgebäude des Larkin Company in Buffalo, New York, entworfen. Felix Stark, Designer und Dozent, schaute sich das Funktionsmöbel in der ständigen Designaustellung des MAKK genauer an. „Der Schreibtisch mit integriertem Stuhl ist für mich in vielerlei Hinsicht ein spannendes Möbelstück, einerseits formalästhetisch mit seiner kubischen, architektonischen Form. Andererseits macht er deutlich, das Design immer ein Spiegel der Gesellschaft ist. 1904 ist die industrielle Revolution im vollem Gange: Elektrifizierung, Taylorismus und die Allgegenwärtigkeit der Maschinen verändern die Position des Menschen in der Gesellschaft nachhaltig – der Mensch wird selbst Teil einer Maschinerie und hat sich dieser unterzuordnen.

Dementsprechend ist der Schreibtisch von Frank Lloyd Wright nicht auf ein gesundes oder gar angenehmes Arbeiten ausgerichtet, sondern nur auf Effizienz. Scheint der Stuhl auf den ersten Blick beweglich, stellt man bei genauerer Betrachtung fest, dass der Abstand zur Tischplatte und die Neigung der Rückenlehne vorgegeben ist. Selbst das Ablagesystem ist vordefiniert und sogar der Tisch selbst kann am Boden verschraubt werden. Nicht das Möbel passt sich dem Benutzer an, sondern der Benutzer sich dem Möbel. Armlehnen, eine ergonomische Sitzschale oder zumindest abgerundete Kanten sucht man vergebens. Dafür kann effizient und zeitsparend geputzt werden: Der schwebende Stuhl und der in die unterste Schublade integrierte Mülleimer erlauben es das Großraumbüro zu wischen ohne auch nur ein einziges Teil zu bewegen. Hier wurde wirklich an alles gedacht, nur nicht an den Menschen.“

LOOK! super Fashion Markt

Im Rahmen der Modeausstellung `LOOK! Modedesigner von A bis Z´ hat das MAKK für ein Wochenende den super Fashion Markt zu Gast. Was dahinter steckt, erfahren Sie in diesem Interview mit den Macherinnen des Fashion Markts Anna Böß und Lena Schröder.

Was ist der SUPER FASHION MARKT?
Der Super Fashion Markt ist ein einmaliges Special des Designmarktes `Der Super Markt´ im Rahmen der Sonderausstellung LOOK – Modedesigner von A-Z im MAKK. Wir freuen uns sehr über diese Zusammenarbeit! Wir haben 30 spannende Designer eingeladen, die vom 6. bis 8. November in einer außergewöhnlichen Atmosphäre im Museum ihre neusten Kollektionen vorstellen. Natürlich kann direkt anprobiert und geshoppt werden.

Wie lange gibt es den Super Markt in Köln?
Der erste Super Markt fand 2008 mit 20 Ausstellern statt. Zu dieser Zeit gab es erst eine ganz kleine Szene von Kreativen, die selbst Kleidung oder Accessoires hergestellt haben. Seitdem sind wir stetig gewachsen und präsentieren auf unserem Super Weihnachtsmarkt mittlerweile rund 100 Labels. Dort laden wir zum gemütlichen „Last-Minute-Geschenke-Shopping“ ein. Die Sommerausgabe findet immer im Rahmen des c/o pop Festivals auf dem Hans-Böckler-Platz statt.

Wer steckt hinter der Idee?
Wir wollten jungen Kreativen, wie wir es auch selbst waren, eine Plattform bieten um ihre Produkte zu präsentieren. Kaum zu glauben, das damals kaum jemand schon etwas von Etsy oder Dawanda gehört hatte. Gegründet haben wir den Super Markt noch als Studentinnen. Lena Schröder hat Modedesign studiert, Anna Böß ist Kunsthistorikerin M.A.

Seid ihr selber Designerinnen?
Ja, wir haben beide ein Modelabel, mit dem wir auch selbst beim super Fashion Markt vertreten sind. Lena Schröders Label `Trinkhallen Schickeria´ zeigt nachhaltige Mode, zum größten Teil aus recycelten Stoffen. Anna Böß hat das Label `Zitat´, mit dem sie versucht moderne und zeitgenössische Kunst in Kleidung, Schuhe, Taschen und Accessoires zu übersetzen.

Könnt ihr ein paar Namen nennen, wer auf dem super Fashion Markt im MAKK zu sehen ist?
Alle Aussteller sind schon auf unserer Website zu finden. Unter folgendem Link kann man schon einmal online durchstöbern um die Vorfreude zu steigern 😉
www.dersupermarkt.net/labels/

Viel Spaß auf dem super Fashion Markt im MAKK

Kölner DESIGN Preis 2015: der 1. Preis ging an Michael Binz

Michael-Binz

Der 1. Kölner DESIGN Preis ging an Michael Binz für den Kurzfilm `HERMAN THE GERMAN´. „Es ist der deutscheste Film aller Zeiten. Meine Idee war, mit den Vorurteilen des Bildnisses der Deutschen im Ausland zu spielen und ich habe kein Klischee weggelassen“, so der 28-jährige Absolvent der Kunsthochschule für Medien (KHM). „Drei Jahre habe ich mit viel nachdenken und in die Luft gucken bis zur Vollendung des Films gebraucht. Insgesamt wirkten 50 Personen mit, darunter viele Kommilitonen. Alle haben auf Gagen verzichtet. Auch der Hauptakteur, denn er ist ein großer Cineast. Es war unglaublich viel Arbeit und es hat unglaublich viel Spaß gemacht – ich würde es jederzeit wieder tun.“

Bleibt die Frage zu beantworten, warum Michael Binz in ein Brötchen beißt. In der Sonderausstellung im MAKK wurden einige Requisiten, u.a. das Brötchen, aus dem Film präsentiert, „damit die Besucher etwas zum anfassen haben!“, lacht der Preisträger des Kölner Design Preis 2015, der übrigens ein Bäckerskind ist. Einige Szenen des Films wurden in der Backstube der Eltern gedreht.

Zur Handlung des 15 minütigen Kurzfilms `HERMAN THE GERMAN´, der in den nächsten eineinhalb Jahren auf Festivals gezeigt wird:

Herman ist Anfang 50 und einer der dienstältesten Bombenentschärfer Deutschlands. Gerne würde er einmal eine dieser klassischen Filmbomben entschärfen, wie man sie aus dem Kino kennt. Doch die einzige Bombe auf die er regelmäßig trifft ist die Fliegerbombe aus dem 2. Weltkrieg. Nach einer ärztlichen Untersuchung erfährt Herman, dass er unter dem seltenen Kahnawake-Syndrom leidet, welches dafür sorgt, dass bei ihm die Emotion „Angst“ nicht mehr abrufbar ist. Die Ärztin hat für Herman nur einen Rat: Er muss seine Zentralangst finden, um das Furchtzentrum in seinem Kopf zu reaktivieren. Dadurch wird er gezwungen jede Phobie der Welt auszutesten um wieder normal zu werden.

Kölner DESIGN Preis 2015

Die Nachwuchsdesignerin An Hsu bei der Installation ihrer emaillierten Lampen mit Michael Effelsberg von der MAKK-Haustechnik.

Die Nachwuchsdesignerin An Hsu bei der Installation ihrer emaillierten Lampen mit Michael Effelsberg von der MAKK-Haustechnik.

Zum achten Mal verleiht die Prof. Dr. R. G. Winkler-Stiftung für Nachwuchsdesigner den „Kölner DESIGN Preis“. Dabei handelt es sich um den höchst dotierten Preis seiner Art für Abschlussarbeiten von Design-Ausbildungsstätten.

Organisiert wird die Preisverleihung und die dazugehörige Ausstellung aller nominierten Arbeiten im MAKK von Studierenden der Köln International School of Design (KISD). Prof. Wolfgang Laubersheimer von der KISD gründete dazu eine Arbeitsgemeinschaft, die zusammen mit anderen AGs fester Bestandteil des Lehrplans ist. Die acht Studierenden erfüllen in der AG viele Aufgaben. „Wir sind die Vermittler zwischen der Jury, den Nominierten und den Mitarbeitern des MAKK. Wir bereiten die Jurysitzung vor und unterstützten die Nominierten moralisch bei ihrer zehnminütigen Präsentation vor den Juroren. Außerdem gehen wir auf die Ausstellungswünsche der Nominierten ein und bringen diese in Einklang mit den Möglichkeiten im MAKK. Dabei achten wir auf einen harmonischen Aufbau, der jede Arbeit zur Geltung kommen lässt“, berichtet das AG-Mitglied Jill Pasch. Für sie ist es das zweite Jahr in der AG, an der sie den Einfluss auf ihre persönliche Entwicklung besonders schätzt. „Man muss viel improvisieren und kommunizieren, um den Vorstellungen aller Beteiligten gerecht zu werden. Außerdem hat man die Möglichkeit über den Tellerrand der eigenen Hochschule hinaus, Arbeiten von Absolventen anderer Ausbildungsstätten zu sehen und sich mit diesen Nachwuchsdesignern zu vernetzen.“ Teilnehmen können am Wettbewerb nur Absolventen, die von ihrer Hochschule dafür nominiert wurde. Aus diesen nominierten Arbeiten wählt die Jury, zu der in diesem Jahr auch Museumsdirektorin Dr. Petra Hesse zählt, auf Grundlage einer von der AG zusammengestellten Präsentationsmappe und den persönlichen Vorträgen der Teilnehmer die Preisträger aus. „Wir sind selbst auch Designstudenten, die bald eine solche Abschlussarbeit anfertigen, deshalb bietet die Organisation des „Kölner DESIGN Preis“ eine tolle Möglichkeit zu beobachten, welche Ideen gut ankommen und als preiswürdig angesehen werden“, berichtet Jill.

Donnerstag, den 29. Oktober, ist es soweit: Um 19 Uhr findet die öffentliche Preisverleihung im Overstolzensaal des MAKK statt. Den musikalischen Beitrag des Abends bietet das Percussion-Ensemble SPLASH an Marimbaphon, Vibraphon und Schlagzeug. Anschließend können die Gäste alle Arbeiten in der Ausstellung besichtigen und haben die Möglichkeit mit den anwesenden Nachwuchsdesignern ins Gespräch zu kommen. Die Präsentation läuft bis 22. November und ihr Besuch ist kostenfrei. Wer sich vorab einen Eindruck verschaffen möchte kann hier alle Nominierten und ihre Arbeiten nachlesen: www.koelnerdesignpreis.de.