Kölner Designpreis 2017: Gesellschaftlich relevant

Flora Coletta Ines Karger (links), Sonja Lorenz (rechts) und Jana Klasen sind die Gewinnerinnen des Kölner Designpreis 2017 (Foto: Kirsten Reinhardt).

Flora Coletta Ines Karger, Sonja Lorenz und Jana Klasen: das sind die Gewinnerinnen des Kölner Designpreis 2017. „Zum zehnten Mal vergeben, weisen die Arbeiten einen klaren gesellschaftlichen Bezug auf“, betont Dr. Petra Hesse, Direktorin des Museums für Angewandte Kunst. „Denn Design ist allumfassend, es geht nicht darum schöne Dinge zu gestalten. Der Kölner Designpreis symbolisiert das zeitgemäße Verständnis für Design.“ Die Ausstellung der nominierten 26 Arbeiten von Studentinnen und Studenten kann bei freiem Eintritt bis 19. November 2017 im MAKK besichtigt werden.

Der 1. Preis ging an Flora Coletta Ines Karger (KISD – Köln International School of Design). Ihre Arbeit „Programme begreifen – eine performative Umsetzung“ beschäftigt sich mit der Theorie, die hinter den auf Algorithmen beruhenden Programmen steckt. „Programme sind menschlichen Ursprungs und beruhen auf abstrahierten menschlichen Strukturen und Ordnungssystemen. Wenn wir nun in Programmen Menschliches entdecken, so handelt es sich lediglich um einen Zirkelschluss.“ Denn der Mensch wird zum Teil der Programme, die ihn steuern und deren Anweisungen er unreflektiert folgt. Damit dieses Konstrukt visuell sichtbar wird, ließ sie Tänzer die Programm nachtanzen – zu sehen in Videos und Bewegungsgrafiken: PROGRAMME BEGREIFEN – Eine performative Umsetzung.

Der 2. Preis erhielt Sonja Lorenz (ecosign, Akademie für Gestaltung) für „begreifen“, einen Architekturführer für sehende und blinde Menschen gelichermaßen. Auf vier Relieftafeln, die auf 3D-Drucker hergestellt wurden, können die Grund-, Auf- und Seitenriss der Hohenzollernbrücke ertastet werden. Das nicht nur im jetzigen Zustand, sondern auch in historischen Entwicklungen. In einer „Tastbox“ können Sehende ihr Tastgefühl testen. Zusätzlich gibt es einen Audioguide. Neben der Idee überzeugt hier auch die handwerkliche Anfertigung der Objekte.

Der 3. Preis ging an Jana Klasen (Rheinische Fachhochschule) für die Internetplattform „Jung und Alt – Konzeption zur Neugestaltung der Wohnraumsituation in Köln“. Ihre Idee: Jung und Alt helfen sich. Für junge Menschen, insbesondere Studierende, erhalten bezahlbarem Wohnraum. Senioren haben oft genug Platz, aber sind alleine. Auf der von ihr entwickelten Internetplattform können beide Seiten zusammenkommen und dann – im optimalen Fall – in einer „WG“ zusammenleben.

Der Kölner Design Preis zeichnet seit zehn Jahren die innovativsten und besten Abschlussarbeiten der Kölner Nachwuchsdesigner des Jahres aus. Am 26. Oktober wurde der „Kölner Design Preis 2017“ im MAKK mit begleitende Ausstellung vergeben. Gewürdigt werden herausragende Abschlussarbeiten von Designstudiengängen an Kölner Hochschulen. Der Preis ist damit ein wichtiger Beitrag zur Förderung des Designnachwuchses sowie zur weiteren Profilbildung Kölns als Designstandort von internationaler Bedeutung. Mehr Infos: www.koelnerdesignpreis.de

Das Preisgeld 2017 in Höhe von insgesamt 4.000 Euro wurde erstmals von der Aachener Krankenkasse actimonda gestiftet. 2.500 Euro gehen an für die erste, 1.000 Euro für die zweite und 500 Euro für die dritte Preisträgerin.

Fenstersanierung im MAKK bei laufendem Betrieb

FenstersanierungMAKK

Die Design-Abteilung im MAKK ist bis Ende Februar 2018 temporär geschlossen (Fotos: Scott Biolek-Ritchie).

von Christiane Drabe

Die lang ersehnte Fenstersanierung im Museum für Angewandte Kunst Köln beginnt. Obwohl insgesamt 267 Fenster ausgetauscht werden, bleibt das Museum während der gesamten Bauzeit geöffnet. Begonnen wird mit den Fenstern in unserer Design-Abteilung, die daher bis Ende Februar 2018 temporär geschlossen ist. Auf unserer Facebook-Seite können Sie jeden Dienstag hinter die Kulissen schauen und neue Exponate im Depot entdecken – #depotdienstag.

Für die Sanierungsarbeiten müssen alle Exponate verlagert werden. Dank einer akribischen Vorbereitung und Umstrukturierung der hauseigenen Depots konnten alle Objekte untergebracht werden. Betroffen sind rund 250 Exponate – darunter sehr fragile Objekte oder auch Großobjekte, die allein schon wegen ihres Gewichts schwierig zu handhaben sind wie der „Frankfurter Hochhausschrank F1“ mit Marmorsockel und ausgeklügeltem mechanischem Geheimfach. Auch in der Kategorie Sitzmöbel haben wir es mit unterschiedlichsten Objekten zu tun: Stahlrohrfreischwinger der Bauhaus-Ära von Marcel Breuer oder Ludwig Mies van der Rohe, Schichtholzmobiliar von Alvar Aalto oder Charles und Ray Eames sowie …

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Geflügelter Traum: Mercedes 300 SL „Gullwing“

Katrin Witt mit ihrer Mutter Gunde Roskam im Museum für Angewandte Kunst Köln

Ein Tag im MAKK mit meiner Mutter Gunde Roskam (Foto: Kirsten Reinhardt).

von Katrin Witt
Ein Tag im MAKK mit meiner Mutter Gunde Roskam (85 Jahre). Kaum treten wir in das schöne Gebäude ein und lassen uns von der interessanten Aura des großen Vorraums einfangen, steuert meine Mutter zielstrebig zum ersten Exponat: Ein Mercedes-Benz 300 SL „Gullwing“ von 1956, der mit seinen offenen Flügeltüren zum Einsteigen einlädt. Mit letzter Kraft kann ich es grade noch verhindern, das meine außerordentlich sportliche Frau Mutter (ehem. Sportlehrerin am Gymnasium, die heute noch beim Bildungswerk Sportunterricht gibt) sich mit einem Schwung in das lederbezogene Fahrzeug schwingt. Ihre Begeisterung kann ich nicht nur deshalb verstehen, weil der Odtimer mit Alu-Karosse eine absolute Rarität ist. Sondern auch, weil ich selbst einen BMW 3 besitze, das nächstes Jahr mit 30 Jahren zum Oldtimer wird. Die Wertdifferenz beträgt zwar geschätzt ein paar schlappe Millionen Euro! Aber gut …man kann sich ja nun mal nicht jedes Auto leisten. Bevor ich meine Mutter von dem geflügelten Traum in Richtung Cafe verschleppen konnte, entstand dieses Foto.

Automobil-Design spielt in Museen für Angewandte Kunst Köln eine wichtige Rolle und ist bedeutender Bestandteil der Design-Abteilung des MAKK. Alle zwei Jahre findet der „Drive it-Day“ statt, der große Saisonstart für Oldtimerbegeisterte. Merken Sie sich den 4. Drive it-Day im April 2018 vor.  Mehr lesen Sie hier…

Design ist mehr als bloße Form!

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Design-Projekt mit 15 Schülerinnen und Schülern (& 1 Lehrer) der Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums-Projektwoche im MAKK (Foto: Kirsten Reinhardt)

von José Botana

Design lebt! und wir haben es ERlebt! Völlig unnötig heutzutage zu betonen, wie wichtig und wie dominant Design unser alltägliches Leben begleitet, auschmückt und aufregend gestaltet. Das geht vom Schuhlöffel bis zum Computer und von der Kaffeetasse bis zum Sessel. Jetzt schon im dritten Jahr hat uns dieses einzigartige Projekt vor und hinter die Kulissen des MAKK (Museum für Angewandte Kunst Köln) geführt und solch interessante Bereiche wie die Berufe der Leute die hier arbeiten (z.B. KuratorIn, RestauratorIn, MuseumspädagogIn, DesignerIn), also wie man zu diesem Beruf kommt und welche Tätigkeiten dann zum jeweiligen Berufsfeld gehören, nahegebracht.

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Ikea ist wie das H&M der Möbelindustrie

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Amrei Blomeyer und Cosmo Caspers im MAKK mit dem Stuhl von Arne Jacobsen.

von Amrei Blomeyer und Cosmo Caspers

Bei einem Gang durch das Museum für Angewandte Kunst in Köln begegnen einem viele Designs, die man auch gut in bekannten Möbelhäusern finden könnte. Meistens kennt man sie in einer abgewandelten Form von Ikea. Daher lässt sich Ikea gut als das H&M der Möbelindustrie bezeichnen, denn sie lassen sich von klassischen und erfolgreichen Designs inspirieren und bringen diese in einer preiswerteren Form auf den Markt und somit auch in die Wohnzimmer der eher einfacheren Leute. Ein Beispiel dafür ist dieser Stuhl von Arne Jacobsen:

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Wir designen im MAKK

Designerin

Designerin Stefanie Gräwe arbeitet mit Schülerinnen und Schüler des FWGs während der Projektwoche im MAKK.

von Lilla und Julia, 10. Klasse des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums in Köln

Schülerinnen und Schüler des FWGs verbrachten eine viertägige Projektwoche im MAKK. Am Dienstag den 04.07.2017 erhielten wir einen Einblick in die Arbeit der Designerin Stefanie Gräwe.

In unserem Workshop „Upcycling“ ging es um das erschaffen von Unikaten, mit wiederverwertbarem Material. Wir behandelten Plastik. Wir hatten die Möglichkeit Taschen, Mäppchen oder Handyhüllen zu gestalten. Uns wurde alles schrittweise erklärt und wir entwickelten eigene, individuelle Designs. Sie erzählte uns über ihr Label und ihre Ideologie gebrauchten Dingen eine zweite Chance zu glänzen zu geben. Zusammenfassend war das ein sehr interessanter Workshop und uns hat gefallen, dass wir selber mit dem Material arbeiten durften.

Entwürfe von Zimmern aus der Zukunft

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Ella und Lina des Friedrich-Wilhelm Gymnasiums Köln hatten Projektwoche im MAKK.

Von Ella und Lina (Text) und Anna (Fotos)

Wir, Schüler des Friedrich-Wilhelm Gymnasiums Köln haben zum Abschluss eines aufregenden Tages mögliche Zimmerentwürfe aus der Zukunft designed und gezeichnet (ggf ausgeschnitten und aufgeklebt). Jeder von uns hat sich ein ziemliches individuelles Zimmer aus der näheren Zukunft ausgedacht und hat versucht es möglichst übersichtlich und mit richtig viel Spaß zu designen. Es war eine tolle neue Erfahrung, aber man muss sagen, dass es auf jeden Fall eine riesige Herausforderung war, da man ja versuchen musste Dinge zu zeichnen die es überhaupt noch nicht gibt. Ich finde, dass wir trotzdem ziemlich viele kreative Ideen hatten! Oben zum Beispiel kann man zwei unserer Resultate der Zimmerentwürfe sehen.

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Einblick in die Arbeit zweier Restauratorinnen


Restauratorinnen

Die Restauratorinnen Elke Beck und Katherina Sosou zeigen uns Schülern verschiedene Gegenstände.

Frida, Niklas und Andrei, Friedrich Willhelm Gymnasium, Stufe  8

Die beiden Restauratiorinnen Elke Beck und Katherina Sosou gaben uns für einen Tag einen Einblick in die Arbeit eines Restaurators. Zuerst erklärten sie uns anhand von Objekten unterschiedlichster Art, worauf man bei dem Restaurieren achten sollte. Dazu gehört zum Beispiel das Material, das Alter, der Zustand usw… Wir erfuhren einiges über den Beruf selbst und über den Werde-/Studiengang des Restaurators. Nachher durften wir selbst mit den Textilien arbeiten und diese unter dem Mikroskop untersuchen. Hinzu kommt, dass wir das Stoffmuster mit Hilfe von Flechtmatten  nachweben konnten.

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Beruf eines Restaurators sehr interessant und spannend ist, jedoch können wir uns persönlich nicht vorstellen in diesem Berufsfeld zu arbeiten, da wir nicht Begabt sind im Handwerklichen Gebiet.

Radiosammlung des 20. Jahrhundert

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Judith und Matilda (14), Klasse 8a des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums in Köln

Im Ramen unserer Projektwoche haben wir ,Teilnehmer des Projekts „Design“, mehrere Ausstellungen des MAKK besucht. Dabei fällt uns besonders die Radiosammlung des Museums auf. Obwohl alle Radios im dem gleichem Zeitabschnitt entstanden sind, unterscheiden sie sich in Form, Farbe und Material deutlich. Einige wirken vom Design sehr modern und wieder anderen sieht man die Spuren der Zeit deutlich an. Denn bei den meisten Modellen ist das Plastik vergilbt und bildet eine neue Farbe, der Lack blättert langsam ab und metallene Stellen sind teilweise verrostet. Weiterlesen

Ray und Charles Eames: Ist das WERBUNG?

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Sabine Meinecke in der Lounge des MAKK mit dem Buch über Charles und Ray Eames (Foto: Kirsten Reinhardt).

von Sabine Meinecke

Ray die Künstlerin (1912-1988) und Charles der Architekt (1907-1978) schufen Ikonen der Designgeschichte. Sie bezogen erstmals ergonomische Gesichtspunkte für ihre Sitzmöbel ein und das Sitzgefühl wurde zum Lebensgefühl der 50‘er Jahre. Lässig und bequem, eben funktional, aber dabei noch kostengünstig durch die industrielle Fertigung. Die bedeutensten Objekte sind hier im MAKK, Designabteilung ausgestellt sowie ein Regalsystem. Bei der Vorbereitung meiner Führung „EAMES Ray & Charles das TEAM – ein Designerpaar aus Amerika“ begeisterte mich sehr auch die werbetechnische Seite ihrer Arbeit. Die das Eames-Ehepaar war Vorreiter im Bereich der Kommunikation und Demonstration. Unzählige Projekte, wie z. B. Filme (,,Powers of Ten“), Dokumentationen, Ausstellungen (,,Mathematica“ 1961) oder der IBM Pavillion in New York für die Weltausstellung 1964 entstanden in fast 40 Jahren gemeinsamer Arbeit.

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ökoRAUSCH: nachhaltiges Designfestival im MAKK

Projektleiterin Dunja Karabaic von Ökorausch (Foto: Kirsten Reinhardt)

Dunja Karabaic mit dem Surtbrett von Backwoodboards (Foto: Kirsten Reinhardt)

von Dunja Karabaic, Projektleiterin ökoRAUSCH Think Tank

Was auf den ersten Blick wie eine Codierung klingt, kommt beim zweiten einer kleinen Revolution gleich: Die „Sustainable Development Goals“ und der „Material-Input pro Einheit Service“, besser bekannt unter dem „Ökologischen Rucksack“ nehmen mit vielen anderen Themen, und sexy verpackt, für zehn Tage Einzug ins MAKK. Denn ökoRAUSCH ist das einzige Designfestival in Deutschland, das sich ausschließlich dem Themenkomplex Nachhaltigkeit widmet.

Das Surfbrett von Backwoodboards steht exemplarisch für eines von fünf Themenclustern, das die ökoRAUSCH Ausstellung präsentiert: Für eine intakte Natur, die nicht durch unseren Ressourcenverbrauch, Abfall und Schadstoffe belastet wird. Designer*innen wie die von Backwoodboards versuchen durch Materialinnovation „zurück zur Natur“ zu gelangen, indem sie …

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Müssen sich Geschwister ähnlich sehen? Carlton und das verspannte Regal

Carola Horster-mit-verspannten-Regal-Wolfgang Laubersheimer

Carola Horster mit dem `verspannten´ Regal von Wolfgang Laubersheimer (1984) im MAKK (Fotos: Kirsten Reinhardt).

von Carola Horster

Es sind zwei ungleiche Brüder, die sich im Obergeschoss der Design-Abteilung gegenüber stehen: Einmal das breite, schrille und bunte Regal Carlton und das schmalbrüstige, hohe, metallisch-graue, auf das Minimum an Material reduzierte „verspannte“ Regal. Schon die Namen sind vielsagend: Carlton klingt nach Luxus, Verschwendung, vielleicht auch nach Leichtsinn im Spielcasino. Verspanntes Regal bezieht sich sachlich auf die Technik, mit der dieses fragile Objekt standfest gemacht wird, bedeutet aber leider auch das Gegenteil von entspannt. Kann man also den Schluss ziehen, dass Carlton für italienische Lebenslust und das verspannte Regal für deutsche Nüchternheit stehen? Ganz so einfach ist es nicht, denn tatsächlich sind beide Regale in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts der gleichen Unzufriedenheit mit der damals aktuellen Design-Landschaft entsprungen (deswegen Brüder!).

Gruppe Memphis: Ettore Sottsass hat 1980 eine Gruppe junger Entwerfer um sich geschart und … Weiterlesen

Forever young: Stahlrohrmöbel

Baya Bruchmann präsentiert Stahlrohrmöbel von Marcel Breuer (Bild: Kirsten Reinhardt).

Baya Bruchmann präsentiert Stahlrohrmöbel von Marcel Breuer (Bild: Kirsten Reinhardt).

von Baya Bruchmann

Als Marcel Breuer 1925 das Material Stahlrohr für den Möbelbau entdeckt, wird er wohl kaum geahnt haben, dass sein erster Stahlrohrstuhl zu einem der bedeutendsten Möbel des 20sten Jahrhunderts avanciert. Es ist der Clubsessel B3 mit dem Beinamen Wassily – so benannt nach dem Künstler Wassily Kandinsky, für dessen Wohnung der Sessel ursprünglich hergestellt wurde. Der Entwurf ist so einfach wie genial: In scheinbar endloser Kurve umspannt das silberne Rohr die Umrisse des Sessels, eine Stoffbespannung aus Eisengarn bildet Sitzfläche, Rücken und Armlehnen. Dieses elegante transparente Design ist damals revolutionär und irritierend ungewohnt. Kein Wunder, dass Wassily zunächst kein kommerzieller Erfolg ist. Doch schon nach kurzer Zeit wird der Sessel zum Symbol der Moderne und beispielgebend für neue Wohn- und Einrichtungskonzepte. Und heute, knapp hundert Jahre später, wird er als lizensierter Nachbau vielfach produziert und gehört zu den beliebten, ewig jungen Designklassikern …

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Werkschau im MAKK – FULL HOUSE: Design by Stefan Diez

Stefan Diez zeigt das japanische Porzellan SD.

Stefan Diez zeigt das Porzellan SD, das der Designer in Zusammenarbeit mit Kawazoe Seizan in der japanischen Stadt Arita, entwarf.

Das Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) ist seit Mitte Januar 2017 die Bühne für einen der gefragtesten Industriedesigner der Welt: Stefan Diez (Freising, 1971). Zur Eröffnung der Möbelmesse IMM Cologne und den Passagen führte der gelernte Schreiner und studierte Designer durch seine Werkschau „Full House: Design by Stefan Diez“. Bis zum 11. Juni 2017 können seine schnörkellos schönen Design-Highlights – Stühle, Möbel, Leuchten, Porzellan – im MAKK über drei Stockwerke bewundern und zum Teil auch getestet werden. Die Liste der Marken, für die der 45-Jährige schon gearbeitet hat, ist lang: Authentics, Biegel, Bree, Emu, Flötotto, Moroso, Rosenthal, Schönbuch, Thonet, Vitra oder Vorwerk, um nur einige zu nennen. Weiterlesen

Ray und Charles Eames: Lounge Chair von Loriot

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Theda Pfingsthorn stellt den Neuerwerb in der MAKK-Designabteilung vor: den Lounge Chair von Ray und Charles Eames (Foto: Kirsten Reinhardt).

von Theda Pfingsthorn

Mit ihrem innovativen, organischen Design sorgte in den 1950er Jahren das amerikanische Designerpaar Ray und Charles Eames weltweit für Furore. Ihre Entwürfe, allesamt Klassiker, können in der Designabteilung des MAKK bewundert werden.

Ein wunderbarer Neuerwerb ist der „Lounge Chair 670 und Ottoman 671“ von 1958 aus dem Designbüro Eames. Drei ergonomisch geformte und mit Palisander furnierte Bugholzschalen umfassen bequeme cognacfarbene Lederpolster. Drehbar, auf sternförmigen Fuß gelagert, gilt er seit 60 Jahren bis heute als der ideale und komfortable Ruhesessel. Das Modell entspricht der ersten Produktreihe, denn seit 1956 konnte dieser Entwurf von dem avantgardistischen Möbelhersteller Herman Miller Company in Michigan, USA produziert werden. Dazu hat er Patina, man sieht, dass der Lounge Chair und der zugehörige Ottoman Jahrzehnte genutzt wurde. Sein Besitzer war der 2011 verstorbene Vicco von Bülow, der als Loriot berühmt wurde. Das MAKK konnte den Klassiker auf der Cologne Fine Art aus dem Nachlass erwerben. In der oberen Etage des Designflügels wird er optimal präsentiert, frei stehend in Kombination mit dem amerikanischen Couchtisch von 1950. Seine organische Formgebung prägte den Begriff „Nierentisch“. Helles Holz, transparentes Glas und Messingelemente spiegeln den Zeitgeist.

Schenkung von Prof. Dr. Günther Brambring, Köln: Ray und Charles Eames, Lounge Chair 670 mit Hocker 671, Entwurf 1956, Formholz; Aluminium; Leder; Herman Miller Company, Zeeland Michigan, US, 1958, A 2123 a, b