Große Oper – Viel Theater. Und die Akustik? Von Weinbergen und Schuhkartons!

Andreas Kunz ist leitender Musikredakteur, Autor und Musikkritiker: Im MAKK insperierte ihn die Akustik in der Ausstellung „Große Oper – Viel Theater“ (Foto: Kirsten Reinhardt).

// ein Blogbeitrag von Andreas Kunz zur Akustik

Die Diskussion um Opern- und Konzerthäuser ist in den letzten Jahren intensiv geführt worden. Vorrangig geht es um Kosten und Architektur, erstaunlich wenig hingegen um die Akustik, dabei sollte diese bei Stätten der Musikaufführung ein zentrales Thema sein. Beispielhaft zeigte sich dies bei einem

Pressetermin in der Elbphilharmonie Ende 2016, etwa zwei Monate vor deren Eröffnung: Nach einer Besichtigung des Gebäudes standen unter anderem Oberbürgermeister Olaf Scholz und Architekt Jacques Herzog im großen Saal rund 300 Medienvertretern Rede und Antwort, nicht aber der verantwortliche Akustiker Yasuhisa Toyota. Aber auch das erklärt kaum, warum in der Pressekonferenz Fragen zur Akustik (fast) komplett ausgeblendet wurden, und – trotz eines Flügels auf der Bühne! – keine Musik zu Demonstrationszwecken gespielt wurde.

Dabei hätte es genug Diskussionsbedarf gegeben, wie spätestens der Eklat während eines Jonas Kaufmann-Konzertes vor ein paar Monaten offenbarte, als Teile des Publikums wegen der schlechten Akustik abwanderten. Peinlich angesichts der Tatsache, dass dieser Musentempel knapp 900 Millionen Euro verschlungen hat. Weiterlesen

Große Oper – viel Theater? Diskussionsbeitrag zur Kölner Debatte

Susanne Laugwitz-Aulbach mitten in der Ausstellung „Große Oper- viel Theater?“ im Museum für Angewandte Kunst (Foto: Kirsten Reinhardt)

// von Susanne Laugwitz-Aulbach

„Was für ein Theater!“. Wer kennt nicht den Ausspruch, wo bekanntlich althergebrachtes rasend schnell von der Bildfläche verschwindet. Diese vier Worte entfahren uns oft. In Köln wohl bisweilen täglich. Eine Angelegenheit halten wir für übertrieben, wir sehen erste Ansätze des Ärgers, sind fassungslos und manchmal sagen wir es unwillkürlich, wenn uns etwas übersteigt und wir es gerne richten würden, es aber einfach nicht gelingt. Dieser Zustand ist mir als Kulturdezernentin hinlänglich bekannt, Herausforderungen sind die Würze des Lebens und natürlich kann ich lesen, denn der Titel dieser Ausstellung heißt „Große Oper – viel Theater?“ und ist somit eine Nuance anders gelagert.

Mir kommen sofort eigene, vielleicht biografisch gefärbte Bilder in den Sinn: Das Staunen beim ersten Kinderopernbesuch, die Überraschung von Stimmen und Kompositionen großer Musiktheaterabende, die Faszination erhabener Grand Opera Bauten oder modernster Kulturtempel wie die Elbphilharmonie. Gleichzeitig denke ich an scheinbar unüberwindliche Finanzprobleme, stadtgesellschaftspolitische Diskussionen über die Frage, was für ein Theater, brauchen, wünschen, fordern wir eigentlich und wo und in welchem Rahmen? Neubau, Sanierung, Erweiterung etc. Ein unentwegtes Kopfkino wird sofort in Gang gesetzt.

In Köln funktioniert der Titel auch ohne Foto des Riphahn-Baus: Jeder wird sofort an die Bühnenbaustelle am Offenbachplatz und ihre bewegte Sanierungsgeschichte denken. Das fabelhafte Museum für Angewandte Kunst Köln, ebenfalls ein herausragender Kulturbau, ist davon nur 300 Meter weit entfernt. Auch wenn die Bühnensanierung in Köln jüngst in einer – wohlgemerkt nicht repräsentativen – Umfrage zu den größten Problemen unserer Stadt gehört, ist sie zweifellos eines der Themen, zu dem fast jede Kölnerin und jeder Kölner mindestens eine Meinung und dazu meist auch eine stark ausgeprägte emotionale Haltung hat. Die Bühnenbaustelle hat sich bedauerlicherweise zu einem Kristallisationspunkt für das beliebte „Köln-Bashing“ entwickelt. Die Stimmung in dieser Stadt pendelt bekanntlich zwischen extremen Höhen und extremen Tiefen, jeweils mit großer Leidenschaft. Das ist nachvollziehbar und spricht für eine Lebendigkeit, die niemand in dieser Metropole missen möchte.

Weiterlesen

Große Oper – viel Theater: Den Norske Opera & Ballett“ in Oslo

Drei Freunde im MAKK in der Ausstellung „Goße Oper – viel Theater“ (v.l.n.r.): Benjamin Ernst, Anne Rupprecht und Andrea Mergel.

Vernissage im MAKK. Zu sehen die großartige Ausstellung „Große Oper – viel Theater“ mit 19 Bühnengebäuden aus Europa, die bis 30. Juni 2019 läuft. „Welche Oper fasziniert Euch am stärksten?“, fragte ich. Für die drei Freunde aus Köln hieß der gemeinsame Nenner: „Den Norske Opera & Ballett“ in Oslo.

Anne Rupprecht: „Die Ausstellung ist sehr spannend und zeigt unterschiedliche Architekturstile der jeweiligen Epochen. Am Operngebäude von Oslo fasziniert mich die moderne Konstruktion, die in der Landschaft quasi verschwindet.“ „Ja, das Gebäude verschmilzt mit der Umgebung“, bestätigt Benjamin Ernst die Wahrnehmung. „Es ist ein öffentlicher Platz ohne Grenzen. Hier ist kein Raum für elitäres, das gibt es hier nicht. Dennoch behält der Platz seinen hohen ästhetischen Wert. Es ist die Schönheit, die etwas mit den Menschen macht.“ Andrea Mergel hat eine winterliche Assoziation: „Ich liebe Winterlandschaften und stelle mir das Operngebäude als Eisbahn vor. Mit dem Schlitten von oben herab, als große Rutsche bis auf den vereisten Fjord. Toll!“

Den Norske Opera & Ballett: Neues Wahrzeichen Oslos

Das 2008 eröffnet Operngebäude bestimmt von außen die Wahrnehmung der Stadt. Wie aufeinander geschobene Eisschollen liegt der Baukörper im Hafen des Fjords. Die skulpturale Wirkung entsteht durch die spiegelnden Glasflächen des Foyers und der Außenhülle aus weißem, italienischen Carrara-Marmor. Die gesamte Dachfläche des Gebäudes bildet ganzjährig eine begehbare Landschaft. Weiterlesen

Walter Gropius – Mies van der Rohe – Le Corbusier: das Dreigestirn der Moderne?

Walter Gropius, Bauhaus-Archiv, Berlin, 1979 (Foto: Eisenacher, CC BY-SA 3.0)

// von Mareike Fänger

Hat gute Architektur Einfluss auf die Gesellschaft? Bringt sie bessere Menschen hervor? Was überhaupt ist gute Architektur? Ist gar Produktionssteigerung die Folge lichtdurchfluteter und wohlproportionierter Fabrikhallen? Es sind sozialreformerische Ideen, mit denen schon der Meister der Meister – nämlich Peter Behrens bei der AEG – wichtige Maßstäbe setzt und technischen Fortschritt nicht ohne gesellschaftliche Demokratisierung sieht.

Weiterlesen