Große Oper – Viel Theater? Bühnenbauten im Europäischen Vergleich

Theda Pfingsthorn vergleicht die Opern in Lyon und Köln (Foto: Kirsten Reinhardt).

// von Theda Pfingsthorn

Zum Vergleich europäischer Opernhäuser habe ich die Oper in Lyon und Köln ausgewählt. Die Oper in Lyon steht als Solitär, umgeben von einer großzügigen Platzgestaltung. Der Standort der Kölner Oper ist vergleichbar. Beide stehen mitten in der Stadt, beide haben eine besondere unvergleichliche architektonische Form.

Die offene Platzgestaltung in Lyon mit vielen Aktivitäten und das Konzept des offenen Zugangs für alle Menschen könnte ein Vorbild für Köln sein. Es gilt den Offenbachplatz neu zu bespielen, ebenso die Plätze zwischen Opern- und Schauspielhaus, dem „Kleinen Haus“ und über der Kinderoper. Als erstes ist eine Möblierung mit großen Sitzelementen des Platzes zwischen dem „Kleinen Haus“ und der Baustelle des Schauspielhauses realisiert und ein Café mit sommerlichem Flair geöffnet.

Man  könnte sich vieles mehr vorstellen. Zumal in Köln zur Zeit der 200. Geburtstag des berühmten Komponisten Jakob „Jaques“ Offenbach gefeiert wird mit Musik, Theater, Tanz, Kunst und Literatur – auch auf der Baustelle in der späteren Opernkantine, aber noch nicht im Opernhaus.

Die Opéra de Lyon steht in der Stadtmitte gegenüber dem Rathaus, auf der Halbinsel zwischen Rhône und Saône. Das Gebäude von 1831 mit neoklassizistischer Fassade bekam im Inneren 1989 bis 1993 einen vollständigen Neubau, nach den Plänen des Architekten Jean Nouvel. Optisch herausragend ist das hohe, gläserne Tonnendach, das von weitem sichtbar die Stadtsilhouette bestimmt. Hier sind Probenräume und ganz oben das Ballett untergebracht, alle mit herrlicher Aussicht. Hinter dem Skulpturenschmuck der Attika auf dem Balkon ist Caféhausmobiliar zu entdecken. Der eigentliche Theaterbereich wird über Rolltreppen in Stahl und Glas erschlossen, das Auditorium für 1300 Besucher ist modern, schwarz und technisch minimalistisch gestaltet. Ganz im Gegensatz zum Foyer, das im Glanz des 19. Jahrhunderts strahlt.

Das Haus steht dem Publikum, auch ohne Eintrittskarten bei vielen Veranstaltungen zur Verfügung. Das beginnt bereits im Erdgeschoß, dort ist der Platz zwischen den Arkaden geöffnet und bietet Gastronomie und Straßenkünstlern Raum. Es ist der Stadt und dem Opernhaus wichtig, hier ein kulturelles Zentrum für alle Menschen und besonders für das junge Publikum zu schaffen z. B. mit moderaten Eintrittspreisen, mit Jazz, Livemusik und einem Repertoire abseits des Üblichen.

In den letzten 15 Jahren hat sich die Opéra de Lyon unter dem Intendanten Serge Dorny ein internationales Renommee erarbeitet und wurde 2017  zum „Opernhaus des Jahres“ gewählt. Serge Dorny wechselt 2021 nach München an die Bayrische Staatsoper. Man darf gespannt sein.

Große Oper – Viel Theater. Und die Akustik? Von Weinbergen und Schuhkartons!

Andreas Kunz ist leitender Musikredakteur, Autor und Musikkritiker: Im MAKK insperierte ihn die Akustik in der Ausstellung „Große Oper – Viel Theater“ (Foto: Kirsten Reinhardt).

// ein Blogbeitrag von Andreas Kunz zur Akustik

Die Diskussion um Opern- und Konzerthäuser ist in den letzten Jahren intensiv geführt worden. Vorrangig geht es um Kosten und Architektur, erstaunlich wenig hingegen um die Akustik, dabei sollte diese bei Stätten der Musikaufführung ein zentrales Thema sein. Beispielhaft zeigte sich dies bei einem

Pressetermin in der Elbphilharmonie Ende 2016, etwa zwei Monate vor deren Eröffnung: Nach einer Besichtigung des Gebäudes standen unter anderem Oberbürgermeister Olaf Scholz und Architekt Jacques Herzog im großen Saal rund 300 Medienvertretern Rede und Antwort, nicht aber der verantwortliche Akustiker Yasuhisa Toyota. Aber auch das erklärt kaum, warum in der Pressekonferenz Fragen zur Akustik (fast) komplett ausgeblendet wurden, und – trotz eines Flügels auf der Bühne! – keine Musik zu Demonstrationszwecken gespielt wurde.

Dabei hätte es genug Diskussionsbedarf gegeben, wie spätestens der Eklat während eines Jonas Kaufmann-Konzertes vor ein paar Monaten offenbarte, als Teile des Publikums wegen der schlechten Akustik abwanderten. Peinlich angesichts der Tatsache, dass dieser Musentempel knapp 900 Millionen Euro verschlungen hat. Weiterlesen

Große Oper – viel Theater? Diskussionsbeitrag zur Kölner Debatte

Susanne Laugwitz-Aulbach mitten in der Ausstellung „Große Oper- viel Theater?“ im Museum für Angewandte Kunst (Foto: Kirsten Reinhardt)

// von Susanne Laugwitz-Aulbach

„Was für ein Theater!“. Wer kennt nicht den Ausspruch, wo bekanntlich althergebrachtes rasend schnell von der Bildfläche verschwindet. Diese vier Worte entfahren uns oft. In Köln wohl bisweilen täglich. Eine Angelegenheit halten wir für übertrieben, wir sehen erste Ansätze des Ärgers, sind fassungslos und manchmal sagen wir es unwillkürlich, wenn uns etwas übersteigt und wir es gerne richten würden, es aber einfach nicht gelingt. Dieser Zustand ist mir als Kulturdezernentin hinlänglich bekannt, Herausforderungen sind die Würze des Lebens und natürlich kann ich lesen, denn der Titel dieser Ausstellung heißt „Große Oper – viel Theater?“ und ist somit eine Nuance anders gelagert.

Mir kommen sofort eigene, vielleicht biografisch gefärbte Bilder in den Sinn: Das Staunen beim ersten Kinderopernbesuch, die Überraschung von Stimmen und Kompositionen großer Musiktheaterabende, die Faszination erhabener Grand Opera Bauten oder modernster Kulturtempel wie die Elbphilharmonie. Gleichzeitig denke ich an scheinbar unüberwindliche Finanzprobleme, stadtgesellschaftspolitische Diskussionen über die Frage, was für ein Theater, brauchen, wünschen, fordern wir eigentlich und wo und in welchem Rahmen? Neubau, Sanierung, Erweiterung etc. Ein unentwegtes Kopfkino wird sofort in Gang gesetzt.

In Köln funktioniert der Titel auch ohne Foto des Riphahn-Baus: Jeder wird sofort an die Bühnenbaustelle am Offenbachplatz und ihre bewegte Sanierungsgeschichte denken. Das fabelhafte Museum für Angewandte Kunst Köln, ebenfalls ein herausragender Kulturbau, ist davon nur 300 Meter weit entfernt. Auch wenn die Bühnensanierung in Köln jüngst in einer – wohlgemerkt nicht repräsentativen – Umfrage zu den größten Problemen unserer Stadt gehört, ist sie zweifellos eines der Themen, zu dem fast jede Kölnerin und jeder Kölner mindestens eine Meinung und dazu meist auch eine stark ausgeprägte emotionale Haltung hat. Die Bühnenbaustelle hat sich bedauerlicherweise zu einem Kristallisationspunkt für das beliebte „Köln-Bashing“ entwickelt. Die Stimmung in dieser Stadt pendelt bekanntlich zwischen extremen Höhen und extremen Tiefen, jeweils mit großer Leidenschaft. Das ist nachvollziehbar und spricht für eine Lebendigkeit, die niemand in dieser Metropole missen möchte.

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Barcelona-Sessel 1929: Ludwig Mies van der Rohe

Timm Minkowitsch mit dem Barcelona-Sessel von Ludwig Mies van der Rohe in der MAKK-Ausstellung „34 x Design“ (Foto: Kirsten Reinhardt).

// von Timm Minkowitsch

Man sieht ihn heute nur noch selten: Den MR90, besser bekannt als Barcelona-Sessel. Noch vor einigen Jahrzehnten zierte er die Empfangsräume bedeutender Unternehmen, war in noblen Hotellobbys und Edel-Foyers kaum wegzudenken. Und obwohl sein Status als Ikone der Moderne ungebrochen ist, muss man ihn heute im öffentlichen Raum suchen. Könnte es daran liegen, dass Ludwig Mies van der Rohe, der kongeniale Entwerfer dieses Design-Klassikers, vielleicht einen Aspekt vernachlässigt hat?

Kaum jemand kann die elegante Form des Sessels ignorieren. Zwei Kreuze aus sanft geschwungenen Bandstahl bilden die Seitenteile. Die beiden Kreuze sind als Seitenrahmenstuhl über schlanke Stahlschienen verbunden. Dazwischen spannen sich kaum sichtbar die Riemen, auf denen die beiden Lederkissen der Sitz- und Rückenfläche ruhen. Die Maße sind Harmonie: Breite, Tiefe, Höhe, etwa 75 x 75 x 75 cm. Ein Sessel, der sich wie in einen unsichtbaren Kubus schmiegt.

Ein Stuhl für einen König
Das sanfte Kreuz der beiden Seitenrahmen erinnert an die Entstehungsgeschichte der Sitzmöbel – an den kurulischen Stuhl der römischen Würdenträger. In der Antike und bis ins Mittelalter war der Stuhl nicht nur ein Sitzmöbel, sondern immer auch ein Zeichen des sozialen Status. Auf ihm nahm der „Vor-Sitzende“ Platz. Der gewöhnliche Mensch saß auf Bänken, Hockern oder schlicht auf dem Boden. So gehörte der Stuhl auch nicht zum Hausinventar, sondern begleitete seinen Besitzer von Ort zu Ort. Praktischerweise konnte man ihn über das Drehkreuz zusammenfalten. Im MAKK lässt sich das an den mittelalterlichen Scherenstühlen der Sammlung gut erkennen. Weiterlesen

Große Oper – viel Theater: Den Norske Opera & Ballett“ in Oslo

Drei Freunde im MAKK in der Ausstellung „Goße Oper – viel Theater“ (v.l.n.r.): Benjamin Ernst, Anne Rupprecht und Andrea Mergel.

Vernissage im MAKK. Zu sehen die großartige Ausstellung „Große Oper – viel Theater“ mit 19 Bühnengebäuden aus Europa, die bis 30. Juni 2019 läuft. „Welche Oper fasziniert Euch am stärksten?“, fragte ich. Für die drei Freunde aus Köln hieß der gemeinsame Nenner: „Den Norske Opera & Ballett“ in Oslo.

Anne Rupprecht: „Die Ausstellung ist sehr spannend und zeigt unterschiedliche Architekturstile der jeweiligen Epochen. Am Operngebäude von Oslo fasziniert mich die moderne Konstruktion, die in der Landschaft quasi verschwindet.“ „Ja, das Gebäude verschmilzt mit der Umgebung“, bestätigt Benjamin Ernst die Wahrnehmung. „Es ist ein öffentlicher Platz ohne Grenzen. Hier ist kein Raum für elitäres, das gibt es hier nicht. Dennoch behält der Platz seinen hohen ästhetischen Wert. Es ist die Schönheit, die etwas mit den Menschen macht.“ Andrea Mergel hat eine winterliche Assoziation: „Ich liebe Winterlandschaften und stelle mir das Operngebäude als Eisbahn vor. Mit dem Schlitten von oben herab, als große Rutsche bis auf den vereisten Fjord. Toll!“

Den Norske Opera & Ballett: Neues Wahrzeichen Oslos

Das 2008 eröffnet Operngebäude bestimmt von außen die Wahrnehmung der Stadt. Wie aufeinander geschobene Eisschollen liegt der Baukörper im Hafen des Fjords. Die skulpturale Wirkung entsteht durch die spiegelnden Glasflächen des Foyers und der Außenhülle aus weißem, italienischen Carrara-Marmor. Die gesamte Dachfläche des Gebäudes bildet ganzjährig eine begehbare Landschaft. Weiterlesen

Pop goes Art: Andy Warhol, The Velvet Underground & Nico

Susanne Pressner vor dem legendären Cover von „The Velvet Underground & Nico“ mit der „Warhol Banane“ von 1967 (Foto im MAKK: Kirsten Reinhardt)

// von Susanne Pressner

Das Album „The Velvet Underground & Nico“ mit der „Warhol Banane“ aus dem Jahr 1967 ist sicher das bekannteste gestaltete Cover von Andy Warhol. Damit schlug er ganz neue Wege ein: Das Cover lässt keine Rückschlüsse auf Inhalt oder Musikgenre zu. Stattdessen ist dort eine schlichte Banane zu sehen, die von Warhol signiert ist. Erwarten würde man stattdessen den Titel und die Namen der Interpreten. Doch diese befinden sich auf der Rückseite.

Das Cover stellt ein eigenständiges Kunstwerk dar – eine für die Pop Art typische Herangehensweise. Im Vordergrund steht der Künstler Andy Warhol, der die noch unbekannte Band 1966 unter seine Fittiche nahm und bis 1967 nicht nur als Producer der ersten Langspielplatte (LP), sondern auch als Manager der experimentellen Rockband fungierte. Auf Drängen Warhols wurde Nico, seiner damaligen Muse und Schauspielerin in vielen seiner experimentellen Filme, in die Band aufgenommen. Wohl um ihr etwas mehr Glamour zu verleihen.

Cover mit Überraschungsinhalten

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Sammlerleidenschaft

Ulrich Reininghaus und Anna Friebe-Reininghaus, © Scott Biolek Ritchie

// von Ulrich Reininghaus

Sammeln, eine Leidenschaft, die man auch als eine typisch deutsche bezeichnen könnte. Wer hat nicht als Jugendlicher Briefmarken gesammelt, in Heften und Alben Postwertzeichen möglichst vieler Länder eingeklebt, ganz stolz, wenn er eine Ausgabe komplett hatte. Wohl dem, in dessen Elternhaus Briefe aus dem Ausland landeten, möglichst von weit her, und so den Wunsch auslösten, mehr davon zu besitzen, sie zu sammeln.

Ähnlich ging es mir mit den Plattencovers von Warhol. Ich hatte bei Freunden ein oder zwei gesehen und stieß nun bei der Besichtigung einer Galerie auf eine wundervolle Ausstellung eben dieser Arbeiten. Ich fand seine Illustrationen faszinierend. Sie verkörpern de facto alle Stile, angefangen von Klassik über Jazz, Pop, Rock und Soul, und das während seiner gesamten künstlerischen Laufbahn bis zu seinem Tod 1987. Gesehen, gehandelt: Ich besorgte mir ein Buch und kaufte die Sammlung, die natürlich, aber das wusste ich ja vorher, nicht komplett war.

Das Suchen nach den fehlenden Arbeiten begann. Als erster Anhaltspunkt und zwar ein sehr wichtiger, war das oben erwähnte Buch von Paul Maréchal, das 2015 erschien und alle bekannten Covers enthält. Ich musste zu meinem Schrecken feststellen, dass neben den mir offenkundig fehlenden Plattenhüllen, es eine Menge von Varianten gab, wie Auflagen in verschiedenen Farben oder Namen der Records oder das berühmte Cover „The Velvet Underground“, mit oder ohne geschälte Banane. Oder, um es noch komplizierter zu machen, die zwei Versionen von „Sticky Fingers“, mit und ohne Aufschrift.

Da ich im Laufe der Jahre eine gewisse Routine des Sammelns entwickelt habe, von Briefmarken über Netsuke bis hin zur Polke- und Palermo-Grafik, begann das bekannte Procedere: Welche Galerie befasst sich noch mit Warhol-Covers? Wer kommt als Sammler in Frage? Wer hat über dieses Thema etwas veröffentlicht? Oder einfach formuliert: Wer kann mir weiterhelfen? Um Sie an meiner Enttäuschung teilhaben zu lassen, es waren ganz wenige, wobei ich sagen muss, der Markt kommt in Bewegung, Schallplatten sind wieder in!

Zum Schluss eine Bemerkung, die mir erwähnenswert erscheint: Sammeln ist eine sehr egoistische Tätigkeit. Man sammelt weder für Oma und Opa, noch seine Kinder, sondern einzig und allein für sich. Vielleicht ist es deshalb so spannend und nervenaufreibend.

Die Ausstellung „Andy Warhol – Pop goes Art“ basiert auf der Sammlung von Ulrich Reininghaus. Die Ausstellung ist nur noch bis zum 24. März im MAKK zu sehen.

Video von Jan Rothstein

Andy Warhol – Pop goes Art

Carin Söhler zeigt den jungen Andy Warhol aus den 50er Jahren (Foto: Kirsten Reinhardt)

// von Carin Söhler

Als Kostümbildnerin fasziniert mich die Veränderung von Andy Warhols Selbstinszenierung, gut zu verfolgen in der Ausstellung „Andy Warhol – Pop goes Art“ im MAKK (bis 24. März 2019). Auf einer Fotografie aus den frühen 50er Jahren ist Andy Warhol als jungen Illustrator zu sehen, mit der Mappe unter dem Arm durch New York’s Straßen ziehend, um Aufträge zu ergattern. Sein Kleidungsstil erscheint noch unbekümmert mit schlaksigem Anzug und Fliege. So kleidete man sich wohl damals, um als ernsthafter Illustrator arbeiten zu können. Denn als solcher bewarb er sich erfolgreich bei Mode- und Lifestyle-Magazinen, bei Literatur- und Theaterzeitschriften und auch bei Schallplatten-Labels.

Andy Warhol: Cover Alexander Nevsky **

1949 entstand sein wahrscheinlich erstes Cover für Columbia Records. Es ist eine kleine Illustration zu Sergei Prokofjews Kantate „Alexander Nevsky“. Es war naheliegend dafür Sergej Eisensteins berühmte Szene „Schlacht auf dem Eis“ aus seinem ersten Tonfilm „Alexander Nevsky“ zu illustrieren. Wie genau er Kleidung, Waffen und Gestus der Krieger durch seine „blotted line“ Technik dargestellt hat! Für das übrige Layout war nicht Warhol, sondern der Art Director von Columbia Records zuständig. Weiterlesen

100 Jahre lenkbares Licht

Sammler David Einsiedler ist Initiator der MAKK-Ausstellung „100 Jahre lenkbares Licht“ (Fotos: Kirsten Reinhardt).

Transparent und dennoch prägnant fügt sich das bald 25 Meter lange Regel in die großartige 60er-Jahre Architektur des Saals des Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK). Den Betrachter zieht es neugierig herbei. Dort zu sehen sind 44 lenkbare Leuchten. Wer vorne anfängt, kann die älteste Leuchte der Ausstellung bewundern, den sog. Scherenwandarm Midgard Nr. 110 von Curt Fischer, der als „Erfinder des lenkbaren Lichts“ im Jahre 1919 gilt. Rund 160 Patente wurden von Curt Fischer, dem Gründer des Leuchtenherstellers Midgard, angemeldet. Viele der gezeigten Exponate gehören der Sammlung David Einsiedler an, der die Ausstellung initiierte.

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Frohe Festtage und einen guten Start ins neue Jahr!

Das Makk-Designblog-Team wünscht Ihnen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch in ein glückliches Jahr 2019. Wir freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen im Museum für Angewandte Kunst Köln!

  • 34 x Design — bis 27. Januar 2019
  • 100 Jahre lenkbares Licht — ab 14. Januar 2019
  • Andy Warhol – Pop goes Art  — bis 24. März 2019
  • 2 von 14. Zwei Kölnerinnen am Bauhaus — ab 12. April 2019
  • Erik Kessels. ArchiveLand im Rahmen von Artist Meets Archive — ab 3. Mai 2019

34 x Design: Alles rund im Space Age Design

Sabine Meinecke mit dem Stapel-Service von Helen von Boch und Frederico Fabbrini aus dem Jahre 1971 (Foto: Kirsten Reinhardt).

// von Sabine Meinecke

Anlässe für die Produktgestaltung sind im Zeitablauf unterschiedlich, mal wird ein neuer Werkstoff entwickelt, mal experimentieren Gestalter und Designer mit Materialien und Herstellungsverfahren. Eine neue Ära begann mit der Raumfahrt. 1957 flog der erste Sputnik, 1961 war der erste Mensch im Weltall, die ersten Menschen betraten im Zuge der Mission Apollo 11 am 21. Juli 1969 den Mond. Die technische Weiterentwicklung inspirierte in allen Bereichen die Gestaltung. Das SPACE AGE DESIGN war geboren. Nicht zuletzt durch die TV-Serie Raumschiff Enterprise war die Kugelform der Planeten erfahrbar. In der MAKK-Sonderausstellung „34 x Design“ sind Space Age Objekte zu bewundern.

Die kleine Kugel von 28 cm ist ein Stapel-Service von Helen von Boch und Frederico Fabbrini aus dem Jahre 1971. Das Steingut-Service La Boule“ in den Farben der 70er, Gelb-Grün-Orange, ist ein 19-teiliges Speiseservice für vier Personen. Vier große Teller, vier kleine Teller, vier Schälchen, drei Platten, zwei Schüsseln und eine Terrine sind ineinander zusammengesetzt. „Die Kugel, die es in sich hat“ lautete damals der Werbeslogan. Ein Erfolgsprodukt, das 1972 mit dem „IF Design Award“ ausgezeichnet wurde.

Die große Kugel, die ich gerne in meinem Wohnzimmer hätte, ist der „Ball Chair“, den Ereo Arnio 1963-65 entwickelte.  Weiterlesen

Drei Fragen an Jakob Kilian

Jakob Kilian in der aktuellen Ausstellung „Kölner Design Preis“ im MAKK, © KDP AG

Der diesjährige Kölner Design Preis/ Toby E Rodes Award geht an den KISD-Absolventen Jakob Kilian mit seiner Arbeit „Unfolding Space“. Der Handschuh „Unfolding Space“ ermöglicht es, mit der Hand sehen zu können. Dazu projiziert der Prototyp dreidimensionale Bildinformationen, die von einer Tiefenkamera generiert wurden, als Vibrationsmuster auf den Handrücken.

Die Kölner Design Preis AG der KISD führte eine Interview mit dem Gewinner Jakob Kilian über seine Sicht auf Design und seine Zukunft.

Welcher Künstler oder Designer inspiriert dich ?

Im klassischen Sinne von Design und Kunst würde ich da Olafur Elliason nennen , der mit Licht, Bewegungen und Reflexionen arbeitet, oder Jochaim Sauter, der gemeinsam mit Olafur Arnalds Kunst mit Musik verbindet. In Bezug auf meine Arbeit finde ich aber interessant, dass mein Vorbild ein Wissenschaftler ist, ein Neurophysiologe, der mit dem Thema, das ich bearbeitet habe, in den 1960er Jahren angefangen hat. Seine Methodik ist oft so, wie ein Designer heute arbeiten würde und deswegen zähle ich auch ihn zu den inspirierenden Designer hinzu.

Wo wärst du gern in fünf Jahren als Designer ? Weiterlesen

Kölner Design Preis mit neuem Stifter: Toby E. Rodes

MAKK-Direktorin Dr. Petra Hesse mit Prof. Wolfgang Laubersheimer (KISD) in der MAKK-Ausstellung des 11. „Kölner Design Preis/Toby E. Rodes Award 2018“

Eine Design- und Kunstausstellung im Museum MAKK steht über profanen Dingen. Eigentlich. Denn ohne finanzielle Unterstützung durch eine neue Donation hätte dieses Jahr die Preisverleihung mit Ausstellung (bis 18.11.2018) des elften Kölner Design Preis 2018 für junge Design-Talente nicht stattgefunden.

„Ich freue mich, dass ich dazu beitragen konnte, eine neue Donation für den Kölner Design-Nachwuchspreises zu finden“, freut sich Prof. Wolfgang Laubersheimer (KISD), Leitender Organisator des Preises mit Ausstellung. Dabei kamen ihm seine guten Kontakte zu Gute: „Vor einem halben Jahr saß ich mit P.C. Neumann zusammen, der den Nachlass von Toby E. Rodes (1919-2013) verwaltet – und ich konnte ihn begeistern!“ Die Neumann-Huk S. A. als Bewahrer des Estate Toby E. Rodes unterstützt und fördert den Kölner Design Preis/Toby E. Rodes Award mit 10.000 Euro.

Darüber ist MAKK-Direktorin Dr. Petra Hesse sehr glücklich: „Toby E. Rodes war ein großer Nachkriegsmacher. Er hat nach dem zweiten Weltkrieg maßgeblich die demokratischen Medien in Deutschland mit aufgebaut, er war Mitbegründer der Berliner Filmfestspiele und er war ein großer Design-Botschafter. Das hätte ihm gefallen, unseren Design-Preis zu unterstützen.“ Weiterlesen

Toni Schumacher und Andy Warhol

Toni Schumacher vor den Portraits der in Köln geborenen Sängerin Nico (Fotografien von Guy Webster und Antoine Giacomini)

Toni Schumacher, die Kölner Fußballlegende, ist ein erklärter Warhol-Fan. Der ehemalige Torwart des 1. FC Köln sowie der Nationalmannschaft erzählt bei einem Rundgang durch die Plattencover-Ausstellung im MAKK „Andy Warhol – Pop goes Art“, er habe sich schon als junger Profifußballer einen Warhol gekauft. Der damals 20-Jährige kaufte sich ein Portrait der Boxers Muhammad Ali für 20.000 Mark. Ein stolzer Preis, wenn man bedenkt, dass das Jahreseinkommen eines Fußballers damals im fünfstelligen Bereich lag.

Der Bonner Galerist Hermann Wünsche führte den kunstbegeisterten Schumacher an die Arbeiten Warhols heran. Die Galerie vertrat Warhol, aber Wünsche war auch mit Andy Warhol befreundet. Er vermittelte bereits in den 1970er Jahren die Portraits von Willy Brandt und des Sammlerpaars Peter und Irene Ludwig. 1982 wurde dann auch Toni Schumacher in die Reihe der „Superstar-Portraits“ aufgenommen. Das Treffen mit Warhol schildert Schumacher als sehr professionell: „Der eher introvertierte Künstler schoss circa 50 Polaroids als Vorlage für das Porträt. Er wusste, dass ich ein „kleiner Star“ war, aber wir unterhielten uns über seine Kunst.“ Zwei Porträts in Öl (ein blaues und ein rotes) und vier Siebdrucke lieferte Warhol dem FC Köln, dem Auftraggeber. Ein Siebdruck ist Teil einer Zeitkapsel, die im Warhol Museum in Pittsburgh ausgestellt ist. Die Polaroids verblieben im Besitz von Andy Warhol und werden mittlerweile auf dem Kunstmarkt angeboten. Weiterlesen

Happy Birthday Andy!

„Business-Kunst ist der Schritt, der nach der Kunst kommt. Ich habe als Werbekünstler begonnen und möchte als Business-Künstler enden. Nachdem ich mich mit „Kunst“ (oder wie immer man das nennt) beschäftigt hatte, ging ich in die Business-Kunst. Ich wollte ein Kunst-Businessman werden oder ein Business-Künstler. Im Business gut zu sein, ist die faszinierendste Art von Kunst.“ Andy Warhol

Heute, am 6. August 2018, wäre Andy Warhol, der bedeutendste Vertreter der Pop-Art 90 Jahre alt geworden. Diese Tatsache nimmt das MAKK zum Anlass für eine ungewöhnliche Warhol-Ausstellung.
Andy Warhol (1928 – 1987) gilt nicht nur als der King of Pop Art. Darüber hinaus hat er sich während seiner gesamten beruflichen Laufbahn mit dem Medium Schallplattencover auseinandergesetzt. Er arbeitete als Grafiker und Künstler genreübergreifend beginnend von Jazz, Klassik, Pop, Rock, Punk, New Wave bis hin zu Radioreportagen für die wichtigsten Musik-Labels und international renommierte Musiker und Bands.

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