Walter Gropius – Mies van der Rohe – Le Corbusier: das Dreigestirn der Moderne?

Walter Gropius, Bauhaus-Archiv, Berlin, 1979 (Foto: Eisenacher, CC BY-SA 3.0)

Hat gute Architektur Einfluss auf die Gesellschaft? Bringt sie bessere Menschen hervor? Was überhaupt ist gute Architektur? Ist gar Produktionssteigerung die Folge lichtdurchfluteter und wohlproportionierter Fabrikhallen? Es sind sozialreformerische Ideen, mit denen schon der Meister der Meister – nämlich Peter Behrens bei der AEG – wichtige Maßstäbe setzt und technischen Fortschritt nicht ohne gesellschaftliche Demokratisierung sieht.

Mit geradezu missionarischem Eifer verstehen es auch seine ehemaligen Mitarbeiter und späteren Meister des neuen Bauens, Walter Gropius, Mies van der Rohe und Le Corbusier aus Behrens‘ Ansätzen eine hochmoderne Bauweise zu entwickeln. Sie entschlacken das überladene Dekor der Gründerzeit und wenden sich einer reduzierten Formensprache zu, konzipieren u.a. Typenhäuser und –möbel . Das technische Zeitalter ist ihnen höchst willkommen. Ob Ausbildungsstätte, Villa, Pavillon oder Fabrikhalle: diese Architekten-Avantgarde schreibt mit ihren Werken Geschichte. Unverwechselbar und einmalig: Bauhaus, Barcelona-Pavillon und Villa Savoye.

Es sind Visionäre, die für eine radikale Umsetzung von Technik in transparente Architektur stehen, die mit baulichen Konventionen brechen und neue Materialien – und damit die Industrie – in die Wohnräume einziehen lassen. Als Denker, Weltverbesserer und Pädagogen erregen sie weltweit Aufsehen. Sie schreiben ihre teilweise utopischen Vorstellungen  nieder und veröffentlichen sie in Manifesten. Kunst und Handwerk bzw. Kunst und Technik verbrüdern sich. Eine spannende Zeit mit spannenden Protagonisten! Willkommen im Club der Moderne!

MAKKademie – Vorträge von Mareike Fänger:

5.7.2018, 18 h: Walter Gropius (Eintritt 5 € / freier Eintritt für Overstolzen und Studierende)

2.8.2018, 18 h: Ludwig Mies van der Rohe (Eintritt 5 € / freier Eintritt für Overstolzen und Studierende)

6.9.2018, 18 h: Le Corbusier (Eintritt 5 € / freier Eintritt für Overstolzen und Studierende)

Zur Autorin / Referentin: Mareike Fänger, Architektin und Kunsthistorikerin, ist tätig in der Kunstvermittlung und  organisiert Veranstaltungen und Kunstprojekte, u.a. freie Mitarbeiterin für den Museumsdienst  Köln, Führungen im Museum Ludwig, Wallraf-Richartz-Museum und MAKK sowie Seminare zum Thema Architektur, Bildender Kunst und Design.

Zarathustras Adler im Schiedmayer-Salonflügel von Peter Behrens

Salonflügel-Notenpult, Peter Behrens, Stuttgart um 1900, A 2056, © MAKK, Foto: RBA Köln, Marion, Mennicken.

Im Jahr 2014 hielt ein Meisterstück des Klavierbaus Einzug ins MAKK und gehört seit dem zu den Highlights der Ständigen Sammlung: der Salonflügel der Schiedmayer Pianofortefabrik Stuttgart. Um 1900/01 erbaut nach einem Entwurf von Peter Behrens. Der Flügel galt als verschollen und gab daher einige Rätsel auf: Wo befand er sich im Zeitraum von 1921 bis ca. 2010? War es wirklich DER Flügel aus dem Darmstädter „Haus Behrens“ auf der Mathildenhöhe oder eine Fälschung? Der Vergleich mit historischen schwarz-weiß Fotografien und die Beschreibungen in zeitgenössischen Veröffentlichungen ließen Zweifel aufkommen. Insbesondere die Rede vom „grauen Ahornholz“ des Gehäuses verwunderte. Die ursprüngliche Färbung hatte sich im Laufe der Zeit durch die Alterung des Holzes und Restaurierungen verändert.

Historische Aufnahme Musikzimmer Haus Behrens. Aus: The Studio, 1902, S. 27.

Verbarg sich hinter der auffälligen Gestaltung des Flügels ein besonderes Konzept? Eine künstlerische Aussage? … Weiterlesen