Lieblingsstück: Pastorale von Theo van Doesburg

Das Bleiglasfenster `Die große Pastorale´ von Theo van Doesburg gehört zu den Lieblingsstücken von Andrea Kokoscha.

Das Buntglasfenster `Die große Pastorale´ von Theo van Doesburg gehört zu den Lieblingsstücken von Andrea Kokoscha.

„Es freut mich, dass die Werke von Theo van Doesburg in der Designabteilung als wichtige Beiträge innerhalb des Konzepts `Kunst und Design im Dialog´ gezeigt werden“, erklärt Andrea Kokoscha, die sich als angehende Kunsthistorikerin intensiv mit den niederländischen Vertretern des sogenannten Konstruktivismus beschäftigte. Eines ihrer Lieblingsstücke der angewandten Kunst ist das Buntglasfenster `Die große Pastorale´ von Theo van Doesburg.

Die große Pastorale wurde 1921/22 als zweiteiliges Bleiglasfenster für die Landwirtschaftsschule in Drachten nach seinen Entwürfen hergestellt. Die zweite Ausfertigung von 1973 wird im MAKK in einem Leuchtkasten präsentiert (Stiftung Prof. Dr. R. G. Winkler, M420w).

In je vier übereinandergesetzten, quadratischen Feldern werden anhand von figürlichen Einzeldarstellungen vier typische bäuerliche Tätigkeiten thematisiert und in ihrer zyklischen Abfolge gegenläufig auf den beiden Teilen angeordnet. Van Doesburg abstrahierte eine Ausgangsfigur, für die Vincent van Goghs berühmtes Ölgemälde `Der Sämann´ von 1889/90 als Vorlage diente. In zeichnerischen Studien schematisierte und geometrisierte er die Figur schrittweise, indem er sie in Rechtecke zerlegte. So entstanden durch Diagonalen rechtwinklige Dreiecke und Trapeze. Aus den gleichen Einzelformen konstruiert, ließen sich `Graben´, `Pflügen´ und `Ernten´ darstellen. Die große Pastorale ist somit keine rein abstrakte Darstellung, denn auch in der Endfassung bleibt der arbeitende Mensch erkennbar.

Als Mitbegründer der Künstlervereinigung De Stijl verwandte Theo van Doesburg ein weiteres abstrahierendes Stilmittel: die Reduktion der Farben. Die Primärfarben Rot, Blau und Gelb dominieren hier in den Figuren vor Schwarz und Grau, während der Hintergrund in farblosem Klarglas ausgeführt ist. Die kräftigen Bleiruten in der Nicht-Farbe Schwarz bilden ein grafisch wirkendes Liniensystem, das die Flächen voneinander abgrenzt. In der stilistischen Umbildung der Vorlage van Goghs, der als einer der Gründerväter der modernen Kunst anerkannt wurde, zeigt sich eine Bezugnahme auf die Tradition. Die Thematik der jahreszyklisch abhängigen landwirtschaftlichen Tätigkeiten ist ein uraltes Motiv und birgt auch eine kosmologische Dimension. Das traditionell kunsthandwerklich hergestellte Fenster vereint die wichtigsten Intentionen von De Stijl. Ihre Ideen und Entdeckungen wurden zu einer Impulsquelle für moderne Formgebung, die das Aussehen der modernen Welt entscheidend mitgeprägt haben.

Künstlervereinigung und Kunstzeitschrift De Stijl (1917-1928)

Als Kunstkritiker erkannte Theo van Doesburg `Die neue Bewegung in der Malerei´ der zeitgenössischen Kunst um 1915. Als `Streben nach dem Allgemeinen und dem Universellen´ kam dies intuitiv in der abstrakten Malerei Kandinskys zum Ausdruck; bewusster konstruiert und damit fortgeschrittener, in den Werken der Kubisten. Anregungen für seine eigene künstlerische Entwicklung als Kunstmaler fand er in der Begegnung mit den in Holland tätigen Künstlern Vilmos Huszár, Piet Mondrian und Bart van der Leck. Zusammen mit ihnen gründete er die niederländische Kunstzeitschrift De Stijl (1917-1928) als Forum für die Verbreitung neuer Kunsttheorien und neuer Werke. In ihrem programmatischen Anspruch verfolgten die Künstlergruppe De Stijl ein Ziel: : die gesamtgesellschaftliche Entwicklung hin zu einem Zustand idealer Harmonie. Die Grundelemente der bildenden Kunst sah man in geometrischen Formen, aus denen Kompositionen konstruiert wurden. Der formale Rationalismus als universeller Anspruch sollte sich vorbildhaft in den Werken sämtlicher Kunstgattungen, auch in der angewandten Kunst und in der Architektur, realisieren.

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