#alleskönner. Peter Behrens zum 150. Geburtstag

Dr. Romana Rebbelmund ist die Kuratorin der Peter Behrens-Ausstellung im MAKK.

Die Vorbereitung zu der aktuellen Ausstellung „#alleskönner. Peter Behrens zum 150. Geburtstag“ (bis 1. Juli 2018) dauerte rund drei Jahre. Es stand früh fest, dass der Gründer des modernen Industriedesigns zu seinem 150. Geburtstag, der sich am 14. April jährt, geehrt werden sollte. Aber wie entstand eigentlich die Idee zum Ausstellungskonzept und welche Glücksfälle haben zu dem Gelingen der Schau beigetragen?

Dr. Romana Rebbelmund (MAKK), die Kuratorin der Ausstellung, gibt dazu einen Einblick:
„Die Leitidee zur Kölner Ausstellung kam aus der eigenen Sammlung. Das MAKK besitzt mit dem Schiedmayer Salonflügel (1901) aus dem Musikzimmer des Hauses Behrens in Darmstadt eines der kostbarsten und spektakulärsten Möbel überhaupt. Die weiteren museumseigenen Objekte sind aber nicht minder bedeutend und selten: Eine ganz frühe Kredenz mit sechs Stühlen und einem Armlehnstuhl, die Behrens während seiner Anfangszeit in Darmstadt 1899/1900 entworfen hat, geben Zeugnis von dessen Auseinandersetzung mit der Formensprache der englischen Arts & Crafts Bewegung. Ausgesprochen bemerkenswert ist zudem die Glassammlung des MAKK: Peter Behrens hat insgesamt neun Gläsersätze entworfen, fünf Sätze sowie ein einzigartiger Becher – es ist bislang kein anderes vergleichbares Stück bekannt – gehören zu den repräsentativen Schätzen des Museums. Der kostbare Gläsersatz mit rubinrotem Fuß, der zur Ausstattung des in Rot und Weiß gehaltenen Speisezimmers im Haus Behrens gehörte, ist mit fünf Gläsern vertreten.

Auf Basis dieser einzigartigen Sammlung wuchs ein Konzept für die Ausstellung heran, … das sich auf die frühe Schaffensphase von Peter Behrens konzentriert und dabei besonders seinen stilistischen Wandel vom Jugendstil zur frühen modernen Sachlichkeit in den Fokus nimmt. Einen weiteren wichtigen Aspekt bilden die Spuren, die Behrens im Rheinland und insbesondere auch in Köln hinterlassen hat.

Es gibt zwei Kölner Projekte des großen Künstlers, zu denen sich zunächst kaum Material finden ließ. Es handelt sich zum einen um das Tonhaus (Konzerthaus), das Behrens für die Kunstausstellung in der Kölner Flora 1906 entworfen hatte und das wegweisend für den angesprochenen Stilwechsel war. Nach diesem Vorbild gestaltete er das architektonisch hoch bedeutende Krematorium in Hagen – mit Quadrat und Kreis als prägender Ornamentik. Das zweite Projekt schließlich war fast in Vergessenheit geraten. Peter Behrens beteiligte sich 1911 an einem Wettbewerb zu einer Hängebrücke vom Kölner Heumarkt nach Deutz, die die damalige Ponton-Brücke ersetzen sollte. 1913 erhielt der Kölner Architekt Carl Moritz den Zuschlag. Sein Entwurf war aber dem von Behrens so ähnlich, dass daraus der „1. Cölner Brückenstreit“ entsprang. Zu beiden Projekten gibt es Akten im Historischen Archiv zu Köln, diese waren jedoch noch nicht geborgen. Erst im Herbst 2017 bekam ich dann die sensationelle Nachricht, dass beide Akten geborgen sind und zumindest die der Kölner Flora in gutem Zustand. Diese ist nun in der Ausstellung zu sehen.

Eine weitere glückliche Fügung stellen die für das Projekt gewonnenen Kooperationspartner dar: Das LVR Industriemuseum Oberhausen eröffnet im April seine Behrens-Ausstellung mit einem Architektur-Schwerpunkt, im Mai folgen die Kunstmuseen Krefeld mit einem Schwerpunkt auf den grafischen Entwürfen sowie dem Schriftwechsel. Alle drei Partner können somit gemeinsam die vielen Facetten des künstlerischen Schwergewichts Peter Behrens eindrucksvoll darlegen und sind Teil des Prologs zum NRW-Verbundprojekt 100 jahre bauhaus im westen.“

Die Ausstellung läuft bis zum 1. Juli 2018. Die Termine der kostenfreien Führungen, Workshops, Vorträge und Filmabende entnehmen Sie bitte dem Veranstaltungsflyer.

#makk-designblog

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