Die Greifbarmachung der Vergangenheit

Sascha Agne, Ausstellung `SYSTEM DESIGN. Über 100 Jahre Chaos im Alltag´ im Museum für Angewandte Kunst Köln, Foto: © René Spitz

Sascha Agne, Ausstellung `SYSTEM DESIGN. Über 100 Jahre Chaos im Alltag´ im Museum für Angewandte Kunst Köln, Foto: © René Spitz

Sascha Agne ist Quantenphysiker und Doktorand am Institute for Quantum Computing (IQC) der Universität Waterloo, Kanada. Was hat er mit Design und mit dem MAKK zu tun? Er hat eine ungewöhnliche Leidenschaft: Er sammelt Lebensmittel- und Drogerieverpackungen. Eine seiner Burger-Verpackungen wurde im Rahmen der Ausstellung `SYSTEM DESIGN´ im MAKK gezeigt. Im Frühjahr war er bereits im MAKK, um die Ausstellung zu besuchen. Zurzeit ist er erneut zu Besuch in Deutschland – unter anderem in Köln. Heute hatten wir Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch:

Was sammeln Sie außer Burger-Verpackungen?
Sascha Agne: Verpackungen von McDonald´s stellen nur einen kleinen Teil meiner Sammlung dar, welche Lebensmittel- und Drogerieprodukte des vergangenen Jahrhunderts mit dem Schwerpunkt 1970-1990 umfasst.

Wie ist es zu Ihrer Sammler-Leidenschaft gekommen?
In der Kindheit verblüffte mich die Ungreifbarkeit der Vergangenheit. Vermutlich entwickelt jeder recht früh ein Gefühl für dieses Konzept, nicht jedoch ein Verständnis. Ich glaube deshalb faszinierten mich alte Gegenstände, deren Betrachtung und Berührung mir sinnliche Eindrücke gaben: konkrete Gegenstände, zu denen Geschichten gesponnen werden können. Denken Sie zum Beispiel an eine gefüllte Kellogg´s Packung aus den 1970ern. Wie kommt es, dass diese nicht konsumiert und später dann nicht weggeschmissen worden ist? Wurde sie im Speicher auf dem Dach von spielenden Kindern versteckt und dreißig Jahre später bei der Entrümpelung wieder gefunden? Es sind meist sehr kuriose Umstände, die das Überleben eines solchen Produktes ermöglichen.

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Lebensmittel- und Drogerieverpackungen sammelt Sascha Agne.

Wie groß ist Ihre Sammlung?
Ich habe keine offiziellen Zahlen, da ich aus Zeitgründen eine umfassende Inventur immer wieder hinaus schiebe… Ich habe jedoch zwischen 2010 und 2012 Fotos von ca. 600 verschiedenen Exponaten gemacht, die meisten davon sind auf meiner Webseite memoreal.de zu sehen. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich nur sagen, dass es einige tausend verschiedene Exponate und nochmals so viele Duplikate sind.

Burger-Verpackung, McDonald's Corporation, Oak Brook, Illinois (USA), 1980er Jahre, © Sascha Agne, Foto: Jonas Schneider, Gabriel Richter

Burger-Verpackung, McDonald’s Corporation, Oak Brook, Illinois (USA), 1980er Jahre, © Sascha Agne, Foto: Jonas Schneider, Gabriel Richter

Was hat es mit der gezeigten Burger-Verpackung auf sich?
Die in der Ausstellung gezeigte Big Mac-Verpackung stammt aus Deutschland, aus den 1980ern – eine genaue Angabe ist mir leider nicht möglich. Sie ist noch aus Styropor. Diese wurden aus Umweltgründen von McDonald`s abgeschafft. Schon in den 1980ern, spätestens dann aber in den frühen 1990ern.

 

Sind Sie mit anderen Sammlern vernetzt?
Die Community ist recht überschaubar und wie in vielen Sammlergebieten treten viele Sammler nicht an die Öffentlichkeit. Austausch habe ich mit Daniel Stroscher, der zu manchen Exponaten auch schon geschrieben hat, wie zum Beispiel über „Die glückliche Schauma-Familie“.

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